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Naost-Konflikt: Israelische Bodentruppen im Gazastreifen

Tel Aviv : Israelische Bodentruppen in Gaza

Weitere Eskalation in Nahost: Israelische Kampfschwimmer greifen im Gaza-Streifen Abschussbasen der radikal-islamischen Hamas an. Ein Raketenangriff der Palästinenser auf Tel Aviv schlägt fehl.

Im Gaza-Konflikt ist trotz zunehmender Opferzahlen und internationaler Friedensappelle kein Ende des Blutvergießens in Sicht. Knapp eine Woche nach Beginn ihrer Offensive weitete die israelische Armee gestern ihren Einsatz gegen militante Palästinenser nochmals aus. Elitesoldaten drangen in den dichtbesiedelten Gaza-Streifen am Mittelmeer ein. Das Gebiet ist flächenmäßig etwa so groß wie Köln; die Einwohnerzahl liegt mit 1,8 Millionen Menschen aber beinahe doppelt so hoch.

Die israelischen Kommandoeinheiten landeten in der Nacht an der Küste, um besonders häufig genutzte Abschussrampen der radikal-islamischen Hamas zu zerstören. Von dort sollen Raketen mit größerer Reichweite auf Israel abgefeuert worden sein. Dabei lieferten sich die Kampfschwimmer einen Schusswechsel mit Palästinensern; vier Soldaten wurden verletzt.

Israels Streitkräfte bombardieren als Reaktion auf den ständigen Raketenbeschuss seit Dienstag massiv Ziele aus der Luft. Die Zahl der Opfer stieg praktisch stündlich - auf zuletzt mindestens 166 Tote und 1120 Verletzte. Allein beim Angriff auf das Haus von Gazas Polizeikommandeur Taisir al Batsch wurden mindestens 18 seiner Familienmitglieder getötet. Vor den Bombardierungen hatte Israel die Bewohner im Norden des Gaza-Streifens mit Flugblättern aufgerufen, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen.

Offenbar benutzten Islamisten im Gaza-Streifen eine Mülldeponie, um Raketen abzuschießen. Nach Angaben der Armee wurden von dort mehrfach Raketen auf die israelische Küstenstadt Aschdod gefeuert. Die Luftwaffe bombardierte die Anlage, nachdem dort drei Raketenabschussrampen entdeckt worden waren. Die Deponie wurde mit deutschen Geldern und mit Hilfe der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit errichtet.

Die israelische Armee hat seit Beginn der Offensive nach eigenen Angaben 1320 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Gleichzeitig gingen demnach mehr als 800 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder; rund 140 davon wurden von der Raketenabwehr abgefangen.

Auch ein massiver Angriff der Hamas auf den Großraum Tel Aviv am Samstagabend schlug offenbar weitgehend fehl. Hunderttausende Israelis suchten Schutz, während Bewohner von Gaza den Angriff feierten und auf Dächern "Gott ist groß" riefen. Nach Angaben der Streitkräfte wurden drei Raketen über Tel Aviv abgeschossen.

Die internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe verstärkten sich. Noch gestern wollten die Außenminister Deutschlands, der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs am Rande der Iran-Atomgespräche in Wien zusammentreffen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird für heute und morgen im Nahen Osten erwartet. Als Ziel nannte Steinmeier, im Konflikt "Ansätze für Wege zu einer Deeskalation" zu finden. Erste Station wird heute Jordanien sein. Morgen stehen dann Gespräche mit Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf dem Programm. Parallel zu seiner eigenen Vermittlungsmission schickt Steinmeier den Politischen Direktor im Auswärtigen Amt für die Region, Clemens von Goetze, zu Gesprächen nach Ägypten.

Die Bemühungen um einen Nahost-Frieden unter amerikanischer Vermittlung waren im April gescheitert. Auslöser der jüngsten Eskalation waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen.

(RP)