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Im Sog der Sponsoring-Debatte: Nach Wulff trifft es Wowereit

Im Sog der Sponsoring-Debatte : Nach Wulff trifft es Wowereit

Nun ist auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in den Sog der Sponsoring-Debatte geraten. Für ständige Beobachter des "Partymeisters" kam diese Entwicklung nicht überraschend. Schließlich machte Wowereit nie einen Hehl aus einer notwendigen Nähe zwischen Politik und Wirtschaft, um die Hauptstadt voranzubringen. Und ein "sehr guter Bekannter" (Originalton Wowereit) des SPD-Spitzenpolitikers war auch jener Partymanager Manfred Schmidt, der bereits im Zusammenhang mit dem Nord-Süd-Dialog den seinerzeitigen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker in Bedrängnis gebracht hatte.

Wie Glaeseker ließ sich auch Wowereit einladen. Auch zu einem Kurzurlaub. Auch zu Flügen. Und auch Kontakte, die durchaus mit Geschäftsinteressen des Einladenden zu tun gehabt haben konnten, nutzte Wowereit zu Trips, die nach eigener Aussage durchaus zum eigenen Vergnügen dienten. So bestieg Wowereit zweimal den Privatjet des Unternehmers und Ex-Bahnchefs Heinz Dürr, um mit ihm zusammen gratis nach London zu fliegen, wo er auch Golf habe spielen können, räumte Wowereit ein. Dürr hatte ein Interesse daran, den Berliner Innenstadtflughafen offenzuhalten. Weil Wowereit seinerzeit schon ahnte, dass ihm deswegen jemand "etwas wollen könnte", spendete er zum Ausgleich Geld für wohltätige Zwecke — 2002 an die Organisation Mann-o-Mann, 2003 215 Euro für die Aids-Hilfe.

In der Wulff-Debatte geriet zum wesentlichen Problem, dass die Dimensionen der Kontakte nur scheibchenweise herauskamen. Wowereit scheint sich dagegen zur Vorwärtsverteidigung entschieden zu haben. Unumwunden sagte er, dass Dürr ihn "immer gedrängt" habe, Tempelhof nicht zu schließen. Doch da habe er, Wowereit, "einen anderen Standpunkt". 2008 wurde Tempelhof geschlossen.

Und er räumte auch ein, für den Kurzurlaub in der spanischen Finca von Schmidt nichts bezahlt zu haben. Das sei bei "privaten Besuchen" ja generell nicht der Fall, erklärte Wowereit. Er lasse sich nicht nehmen, auch Privatmensch zu sein. Insofern sei es für ihn verwunderlich, wenn es die Erwartung gebe, dass Schmidt und er nicht privat verkehrten. Geschäftsbeziehungen zwischen Schmidt und dem Berliner Senat schloss Wowereit aus. Auch zu Dürr habe er keine geschäftlichen Beziehungen gehabt.

(RP/jh-)