Tel Aviv: Nach Mord an Palästinenser steigt Angst vor Gewaltspirale

Tel Aviv : Nach Mord an Palästinenser steigt Angst vor Gewaltspirale

Israelische Behörden haben den Notruf veröffentlicht, den einer der drei entführten und später ermordeten Jugendlichen abgesetzt hatte. Zu Beginn des knapp zweiminütigen Gesprächs sagt er: "Ich wurde entführt." Dann folgt der Mord: "Köpfe runter", schreit einer der Entführer auf Hebräisch mit arabischem Akzent - laut israelischen Behörden einer von zwei Hamas-Aktivisten. Schüsse ertönen und ein Schrei. Was dann folgt, ließ sogar leidgeprüfte israelische Fernsehmoderatoren in Tränen ausbrechen: "Drei auf einmal", jubeln die Mörder.

Entsprechend explosiv ist die Lage auf beiden Seiten. In der Nacht zu gestern wurde ein arabischer Jugendlicher aus einem arabischen Stadtteil Nordjerusalems von Unbekannten verschleppt, als er auf dem Weg zum Ramadan-Gebet war. Kurz darauf wurde seine verbrannte Leiche in einem Wald im jüdischen Westteil der Stadt gefunden.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas machte umgehend Israel für den Mord verantwortlich. Er forderte Israels Premier Benjamin Netanjahu auf, den Mord am arabischen Jugendlichen "genauso zu verurteilen, wie wir die Entführung der Israelis verurteilt haben". Der Angesprochene tat dies auch umgehend in einem Kommuniqué. Und auch andere israelische Politiker verurteilten die Tat sofort als Mord israelischer Extremisten. Die Kommuniqués konnten die Lage vor Ort jedoch nicht beruhigen. Hunderte Jugendliche strömten in Ostjerusalem auf die Straßen und lieferten sich in mehreren Stadtteilen Straßenschlachten mit der Polizei. Mindestens sieben Sprengsätze wurden auf die Beamten geworfen, Straßenbahnhaltestellen zerstört.

(yar)
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