Mit 52.000 PS gegen die Huthi-Rebellen Das muss man zum Einsatz der deutschen Fregatte „Hessen“ wissen

Berlin · Der Einsatz der deutschen Fregatte „Hessen“ gilt als der gefährlichsten in der Geschichte der Deutschen Marine. Im Roten Meer soll sie als Teil der geplanten EU-Mission die Handelsschifffahrt gegen Angriffe der Huthi-Rebellen schützen.

 Die Fregatte „Hessen“ vor ihrer Abfahrt ins Rote Meer.

Die Fregatte „Hessen“ vor ihrer Abfahrt ins Rote Meer.

Foto: dpa/Sina Schuldt

Jan Christian Kaack war Anfang Februar noch bei seinen Leuten – an Bord der deutschen Fregatte „Hessen“. Kaack, Inspekteur der Marine, weiß, was auf die Frauen und Männer der „Hessen“ in den nächsten Wochen und Monaten zukommen wird: „der gefährlichste Einsatz einer deutschen Marineeinheit seit Jahrzehnten“. Kurz darauf hieß es in Wilhelmshaven: Leinen los. Die „Hessen“, die zuletzt Flaggschiff der Speerspitze der Nato war und dabei zehn Schiffe führte, ist vom deutschen Marinestützpunkt Wilhelmshaven ins Rote Meer gefahren. Dort schützt sie die Handelsschifffahrt auf dieser zweitwichtigsten Wasserstraße der Welt gegen Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Die Miliz reagiert mit Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer auf die israelischen Angriffe im Gazastreifen. Am 28. Februar hat sie den ersten Angriff der aus dem Jemen agierenden Huthi-Miliz abgewehrt.

Wie wichtig ist die Freiheit der Seewege?

Marineinspekteur Kaack lässt keinen Zweifel an der Wichtigkeit der Mission. Freie See- und Handelswege seien die Grundlage für die deutsche Wirtschaft wie auch für die Sicherheit des Landes. 90 Prozent des Welthandels würden über den Seeweg abgewickelt. Etwa ein Drittel der weltweiten Schiffsbewegungen hat einen Ziel- oder Ausgangshafen in der Europäischen Union.

Was umfasst das Mandat des Bundestages?

Auslandseinsätze der Bundeswehr stehen unter dem Parlamentsvorbehalt. Der Bundestag muss zustimmen, wenn er als Auftraggeber die Truppe in einen Einsatz schickt. Der Bundestag hat das Mandat zur Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission zum Schutz von Handelsschiffen vor Angriffen der Huthi-Miliz aus dem Jemen gebilligt. Mit dem Beschluss ist der Weg für den Einsatz der deutschen Fregatte „Hessen“ in dem betroffenen Meeresgebiet frei. Für die Dauer des Mandates ist zunächst ein Jahr angepeilt. Der schwimmende EU-Verband hat ausschließlich den Auftrag, die Handelsschifffahrt zu schützen. Ziele an Land gehören nicht zum Mandat.

Wie sieht die Besatzung der Fregatte „Hessen“ aus?

Rund 250 Soldatinnen und Soldaten sind an Bord der Fregatte „Hessen“, laut Marineinspekteur Kaack eine topausgebildete und besonders durchhaltefähige Einheit. Zum deutschen Beitrag dieser EU-Mission gehören Stabsoffiziere, die diesen Einsatz lenken, Konvoi-Spezialisten zur Planung von Konvois, Marineinfanteristen an Bord der Handelsschiffe zu deren Schutz und zum Schutz der deutschen Fregatte im Hafen sowie Flugabwehrspezialisten. Marineinfanteristen sollen zudem auch Angriffe von Huthi-Rebellen in Schnellbooten abwehren, ebenso Attacken sogenannter Kamikazeboote. Laut Kaack ist die „Hessen“ das bestmögliche Schiff für diese Mission: „Es gibt keine Einheit in der deutschen Marine, die besser vorbereitet, besser ausgebildet und besser ausgestattet ist.“ Im sogenannten „Kriegsmarsch“ arbeitet die Besatzung rund um die Uhr, alle sechs Stunden wechselt die Dienstschicht.

Wie ist die Fregatte „Hessen“ bewaffnet?

Die Fregatte „Hessen“ hat für ihre Teilnahme an der geplanten EU-Mission im Roten Meer „Dinge an Bord, die sie sonst nicht an Bord hat“, sagt der Marineinspekteur. Übungsmunition sei von Bord gebracht und durch scharfe Gefechtsmunition ersetzt worden. An Bord der „Hessen“ sind auch zwei Hubschrauber, dazu Leichtgewichtstorpedos und Flugabwehrraketen mit einer Reichweite von zehn bis 160 Kilometer.

Wie weit kann eine Fregatte schießen?

Die Fregatte kann unter anderem anfliegende (feindliche) Drohnen abwehren und mit ihrem hochempfindlichen Radar über eine Entfernung von mehr als 400 Kilometern das Seegebiet aufklären. Es kann 1000 Ziele gleichzeitig erfassen.

Wie viel PS hat die Fregatte „Hessen“?

Die Fregatte ist 143 Meter lang, 17 Meter breit, hat einen Tiefgang von sechs Metern und wird von zwei Dieselmotoren und einer Gasturbine angetrieben, insgesamt 52.100 PS.

(mit dpa)
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