Washington: Murdoch drohen zwei Prozesse in den USA

Washington: Murdoch drohen zwei Prozesse in den USA

Wenn betuchte Amerikaner einen erfahrenen Anwalt brauchen, dann steht Brendan V. Sullivan oft hoch im Kurs. Der wortgewaltige Advokat begründete seinen Ruf als Spezialist für knifflige Fälle. Nun ist es Rupert Murdoch, der den Star der Washingtoner Kanzlei Williams & Connolly einspannt. Allein die Personalie gilt als Fingerzeig. Offenbar rechnet der bedrängte Pressezar mit einem heiklen Rechtsstreit in den USA.

Wenn betuchte Amerikaner einen erfahrenen Anwalt brauchen, dann steht Brendan V. Sullivan oft hoch im Kurs. Der wortgewaltige Advokat begründete seinen Ruf als Spezialist für knifflige Fälle. Nun ist es Rupert Murdoch, der den Star der Washingtoner Kanzlei Williams & Connolly einspannt. Allein die Personalie gilt als Fingerzeig. Offenbar rechnet der bedrängte Pressezar mit einem heiklen Rechtsstreit in den USA.

Wenn es schlecht für ihn läuft, drohen ihm zwei Verfahren: Das erste kann eine enorme emotionale Wirkung entfalten, falls die einstweilen noch vagen Vorwürfe stimmen. Nach einem Bericht des Londoner "Daily Mirror" haben Journalisten der Boulevardpostille "News of the World" versucht, die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge des 11. September 2001 abzuhören. Angeblicher Kronzeuge ist ein New Yorker Polizist, der es vorzieht, anonym zu bleiben. Konservative Politiker wie der Senator John McCain halten das Ganze denn auch für eine Räuberpistole, zumal der "Daily Mirror" in erbitterter Konkurrenz zu Murdochs Gazetten steht. Andere wie Frank Lautenberg, demokratischer Senator aus New Jersey, rufen die Bundespolizei FBI zu akribischen Ermittlungen auf. Einen so ungeheuerlichen Verdacht dürfe man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sagt Lautenberg. "Die Familien der Opfer haben genug gelitten."

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Der zweite potenzielle Prozess lässt Eric Holder, den Justizminister des Kabinetts Barack Obama, aktiv werden. Nach dem "Foreign Corrupt Practices Act" dürfen US-Unternehmen keine ausländischen Beamten bestechen. Ein Bakschisch für Scotland Yard fällt ebenfalls unter diese Rubrik. Und Murdochs News Corporation ist in den USA registriert, im kleinen Ostküstenstaat Delaware, dessen niedrige Unternehmenssteuern und wirtschaftsfreundliche Gesetze zahlreiche Großkonzerne anlocken.

Holder will prüfen lassen, ob amerikanische Paragrafen verletzt wurden. Falls ja, kann es den Anfang vom Ende des Murdoch-Imperiums bedeuten. Der TV-Sender Fox, der Lieblingskanal der radikalen Tea Party, gehört ebenso dazu wie die Hollywood-Filmstudios von 20th Century Fox, die schrille "New York Post", der Buchverlag Harper Collins und seit 2007 das seriöse "Wall Street Journal".

(RP)
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