Moskau: Moskau räumt Marinebasis in Syrien

Moskau: Moskau räumt Marinebasis in Syrien

Der Stützpunkt in Tartus ist der einzige außerhalb der ehemaligen Sowjetunion, der Russland noch geblieben ist. Doch jetzt wurden die Soldaten evakuiert – offenbar wird die Übergabe der Anlage an Syriens Regierung vorbereitet. Moskau hält ein Eingreifen der USA im Bürgerkrieg für möglich.

Russland hat seine Marinebasis im syrischen Tartus evakuiert. Die 78 Militärangehörigen seien auf ein Schiff gebracht worden, das im Hafen ankere, zitierte die Zeitung "Iswestia" einen Vertreter des russischen Marinestabs. "Sie haben auf autonome Versorgung umgestellt, setzen nur zum Land über, um die Wasservorräte aufzufüllen." Die Gebäude der Basis würden für die Übergabe an die syrische Seite vorbereitet.

Die Angehörigen des Marinestützpunktes könnten im Ernstfall innerhalb einer Stunde so weit auf die offene See hinausgebracht werden, dass sie außerhalb der Reichweite von Geschützen aller Art seien. Die immer heftiger werdenden Kämpfe zwischen syrischen Aufständischen und Regierungstruppen spielen sich etwa 350 Kilometer entfernt von Tartus in Aleppo und Damaskus ab.

Der Marinestützpunkt in Tartus ist die einzige Basis außerhalb der ehemaligen Sowjetunion, die dem russischen Militär noch verblieben ist. Insofern ist seine Evakuierung bemerkenswert: Für die Führung in Moskau hatte der Militärhafen in Tartus stets eine hohe politische Bedeutung. Er untermauert den Machtanspruch Russlands in der Region. Noch vor einem Monat tönte der Chefkommandeur der russischen Marine, Vize-Admiral Viktor Tschirkow: "Russland braucht die Basis und wird sie weiter unterhalten wie bisher."

Jetzt hieß es, die zivilen und militärischen Angehörigen der Basis seien auf dem Reparaturschiff PM-138 untergebracht worden. Das Reparaturschiff ist das einzige, das in Tartus präsent ist. Denn auch wenn die Rhetorik des Kremls anderes vermuten lässt: Tartus ist keine vollwertige Marinebasis, sondern ein relativ kleiner Versorgungsstützpunkt, der von Schiffen der russischen Schwarzmeerflotte für die Versorgung mit Treibstoff und Proviant angelaufen wird. Kein russisches Kriegsschiff ist hier dauerhaft stationiert. Die Werkstattschiffe werden regelmäßig ausgetauscht, auch ihr Heimathafen ist Sewastopol auf der Krim.

Allerdings diente Tartus den Russen in der Vergangenheit als logistische Achse, um das von Moskau unterstützte Regime von Präsident Baschar al Assad mit Waffen zu beliefern. So soll auch der unter russischer Flagge fahrende Frachter "Alaed" den Hafen von Tartus als Ziel gehabt haben. Die "Alaed" war vor zwei Monaten vor Schottland zur Rückkehr nach Russland gezwungen worden, weil britische Behörden eine Lieferung von Kampfhubraubern vom Typ Mi-24 für Syrien an Bord vermuteten.

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Im internationalen Ringen um eine Lösung der Syrien-Krise präsentiert sich Russland als Schutzmacht des Assad-Regimes. Gemeinsam mit China hat es bislang im UN-Sicherheitsrat jede Resolution blockiert, die schärfere Sanktionen gegen Syriens Präsidenten vorsieht. US-Präsident Barack Obama hatte vor zwei Tagen gedroht, die USA würden eine Militärintervention nicht ausschließen, sobald es Anzeichen dafür gäbe, dass Assad sein Chemiewaffenarsenal bewegen oder einsetzen werde. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte vor so einem Schritt. Nur der UN-Sicherheitsrat könne eine Militäraktion von außen beschließen.

Wie die Zeitung "Kommersant" berichtet, hält man im russischen Außenministerium eine US-Militär-intervention für ein "realistisches Szenario". Russische Diplomaten seien bemüht, in Gesprächen mit der Regierung von Assad darauf zu dringen, dass die Chemiewaffen unter Verschluss bleiben. Es gäbe ebenfalls Bemühungen der Amerikaner, die Aufständischen davon zu überzeugen, dass sie Chemiewaffen nicht einsetzen, wenn sie ihnen in die Hände fallen.

Russland beschuldigte den Westen, für die Syrien-Krise mitverantwortlich zu sein. "Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen", teilte das Außenministerium in Moskau mit. "Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen", hieß es weiter. "Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist."

Insgesamt starben gestern nach unbestätigten Angaben der Opposition mindestens 80 Menschen, darunter 54 Zivilisten. Am Vortag hatten die Gegner von Präsident Assad landesweit 250 Tote gezählt.

Die Vereinten Nationen haben erneut einen Bundeswehroffizier nach Syrien entsandt. Der Oberstleutnant ist in der Hauptstadt Damaskus mit der Abwicklung der gescheiterten Beobachtermission und dem Aufbau eines Verbindungsbüros befasst. "Der Tätigkeitsschwerpunkt der entsandten Offiziere besteht in der Bearbeitung sensitiven Materials", heißt es in einem geheimen Schreiben des Verteidigungsministeriums, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Der Einsatz des Deutschen soll bis zum 31. August dauern.

(RP)
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