Mohammed-Karikaturen: Schwerster Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund

Paris : Zwölf Tote bei Anschlag in Paris - Frankreich im Schockzustand

Weil eine Satire-Zeitung Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, richten mutmaßliche Islamisten ein Blutbad in den Redaktionsräumen an. Das politische Frankreich, die EU-Länder, aber auch Muslimverbände verurteilen die Tat scharf.

Beim bislang schwersten Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund ist fast die gesamte Führungsmannschaft der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" ermordet worden. Die Zeitung ist für ihre islamkritische Haltung bekannt und hatte wiederholt Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft in Paris sprach von bislang zwölf Toten, darunter auch zwei Polizisten, von denen einer das Gebäude der Redaktion bewacht hatte. Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. In Paris und anderen französischen Städten gingen spontan Tausende Menschen auf die Straße, protestierten gegen den Terror und für die Presse- und Meinungsfreiheit. Auch in Berlin versammelten sich Menschen, die ihre Solidarität mit Frankreich ausdrückten.

Der französische Präsident François Hollande eilte sofort zum Ort des Blutbads und rief die Nation zur Einheit auf. Er sprach von "Barbarei" und einem "Schock für Frankreich". Nach einer Krisensitzung des Kabinetts erklärte die Regierung, es seien drei Täter am Werk gewesen. Hollande ordnete für heute nationale Trauer sowie drei Tage Halbmast-Beflaggung an. "Diese abscheuliche Tat ist ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. US-Präsident Barack Obama bot Frankreich, das er als "ältesten Verbündeten Amerikas" bezeichnete, jede Hilfe an, "um diese Terroristen vor die Justiz zu bringen". Auch islamische Staaten wie Katar, Muslimverbände, die EU und die Nato verurteilten die Tat vehement. Der Papst betete für die Opfer.

Den Anschlag verübten Zeugen zufolge zwei schwarz vermummte Männer. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem möglichen dritten Täter. Die französische Polizei soll sie identifiziert haben. Das berichtete die Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf Ermittler. Darunter seien zwei Brüder aus Paris mit französischer Staatsangehörigkeit. Die mutmaßlichen Terroristen - sie sollen 34, 32 und 18 Jahre alt sein - stürmten mit Kalaschnikows in die Redaktion und erschossen die dort anwesenden Zeichner und Redakteure. Sie riefen in perfektem Französisch: "Wir haben den Propheten gerächt." Acht Journalisten starben, darunter auch "Charb", der bekannte Zeichner der Mohammed-Karikaturen, der mit bürgerlichem Namen Stéphane Charbonnier heißt. Auch der Personenschützer des Mohammed-Zeichners kam um.

Nach dem Attentat flüchteten die Täter in einem Kleinwagen. Dabei schossen sie auch auf eine Passantin, die verletzt wurde. Elf Personen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer. Frankreichs Regierung rief für die Pariser Region die höchste Sicherheitsstufe aus; mindestens 500 zusätzliche Polizisten waren im Einsatz. Hollande berief für heute früh eine zweite Sondersitzung des Kabinetts ein und beriet sich telefonisch mit Merkel und dem britischen Premierminister David Cameron.

Als Reaktion auf den Anschlag verschärften Länder wie Italien und Spanien die Sicherheitsvorkehrungen für Medien. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten", die als erste wegen ihrer Mohammed-Karikaturen bedroht worden war, verstärkte in eigener Initiative die Sicherheit ihrer Redaktion. In Deutschland sehen die Behörden keine Anzeichen für erhöhte Terrorgefahr; es herrsche eine "abstrakt hohe" Gefährdung, erklärte eine Sprecherin des Verfassungsschutzes. Das heißt, die Behörden verfügen über keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne von Islamisten, sehen aber die Gefahr. Insbesondere die Rückkehrer, die aufseiten der Terrormiliz IS in Syrien oder im Irak gekämpft haben, gelten als brutalisiert und gefährlich. Für die Deutsche Polizeigewerkschaft ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sich auch in Deutschland ein Anschlag ereignet. Angriffe fanatischer Einzeltäter, die auch in Deutschland leben, seien nicht zu verhindern, sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat den Terroranschlag von Paris scharf verurteilt: "Diese Tat ist ein Verrat am islamischen Glauben. Dennoch ist zu befürchten, dass der Terror von Paris den anti-islamischen Strömungen in Deutschland Auftrieb gibt. Das ist ja der perfide Plan der Terroristen: Sie wollen Zwietracht säen, einen Krieg provozieren zwischen den Religionen. Auch die Muslime sind Opfer dieser Tat. Es besteht die Gefahr, dass die undifferenzierte Haltung, den Islam mit diesen abscheulichen Taten gleichzusetzen, Zulauf bekommt. Das müssen wir verhindern."

(kes/qua/dpa)
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