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Mit Herz und Haltung - Hannelore Kraft wird 60.

Hannelore Kraft wird 60 : Mit Herz und Haltung

Die frühere SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird 60. Nach der verlorenen Landtagswahl im Mai 2017 mied sie weitgehend die Öffentlichkeit. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Es ist ein Ritual. Jedes Jahr am 12. Juni telefonieren Hannelore Kraft und Thomas Kutschaty, weil sie etwas gemeinsam haben: das Geburtsdatum. Auch an diesem Samstag werden sich der amtierende SPD-Landeschef und seine Vor-, Vor-, Vorgängerin gegenseitig gratulieren. Für die erste weibliche Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens ist es ein ganz besonderer Geburtstag, ihr 60ster. Sie will ihn im Kreis der Familie feiern.

Nach der verlorenen Landtagswahl im Mai 2017 und ihrem Rücktritt von allen Parteiämtern noch am Wahlabend war es still um sie geworden. Anders als viele abgewählte Protagonisten verzichtete Kraft auf öffentliche Kommentare von der Seitenlinie. Sie konzentrierte sich auf das Abgeordnetenmandat ihres Mülheimer Heimatwahlkreises, blieb im Plenum aber meist unauffällig.

Eine Ausnahme machte die Tochter eines Straßenbahnfahrers und einer Schaffnerin am zehnten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe. In einer emotionalen Rede bat sie die Hinterbliebenen um Vergebung. Ihr eigener Sohn war dort gewesen, sie hatte ihn zunächst nicht erreichen können. Gerade einmal zehn Tage war Kraft im Amt, als die Katastrophe in Duisburg geschah. Sie fühlte mit den Menschen, sie fand die richtigen Worte und begründete damit den Ruf einer Landesmutter, die sich kümmert.

Im Jahr 2000 wurde Kraft in den Landtag gewählt. Der kürzlich verstorbene Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) war es, der ihr politisches Talent entdeckte, so sagte er einmal im Gespräch mit dieser Redaktion. Clement machte sie zur Europaministerin.

2010 schlug Krafts große Stunde. Nach einem Pannen-Wahlkampf der CDU konnten SPD und Grüne in Nordrhein-Westfalen eine von den Linken tolerierte Minderheitsregierung bilden. Ein komplexes Unterfangen – hunderte Mails und SMS gingen damals täglich hin und her, um in wichtigen Fragen Einigkeit zu erzielen. Das Experiment scheiterte zwei Jahre später – die vorgezogenen Neuwahlen gewann Rot-Grün unter Krafts Führung mit klarer Mehrheit.

Lange Zeit konnte die SPD von der Beliebtheit ihrer Ministerpräsidentin profitieren – CDU-Herausforderer Armin Laschet galt im Wahlkampf 2017 bis zuletzt als chancenlos. Doch ihre kategorische Weigerung, Kanzlerkandidatin ihrer Partei zu werden, die Kölner Silvesternacht und die vom grünen Koalitionspartner verantwortete Schulpolitik trugen dazu bei, dass die Wähler am Ende CDU und FDP den Vorzug gaben.

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Heute sei Kraft mit sich im Reinen, sagen Wegbegleiter. Für den Landtag will sie 2022 nicht mehr kandidieren. Haltung aber zeige sie nach wie vor: Wenn die AfD im Landtag antidemokratische Ansprachen halte, dann könne es passieren, dass eine Abgeordnete dem Redner demonstrativ den Rücken zuwende: Hannelore Kraft.

(kib)