USA kritisieren Israel: Mindestens acht Tote bei Anschlag in Israel

USA kritisieren Israel : Mindestens acht Tote bei Anschlag in Israel

Washington/Jerusalem (dpa/AP). Mindestens acht Menschen sind am Mittwoch bei einem Anschlag in Israel getötet worden, als ein palästinensischer Busfahrer sein Fahrzeug in eine an einem Haltepunkt wartende Menge lenkte.

Nach Angaben israelischer Behörden wurden 18 Personen verletzt, einige von ihnen schwer. Die meisten der Opfer waren Soldaten. Drei der Schwerverletzten sind Soldatinnen, die in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht wurden. Ihr Zustand sei kritisch, hieß es.

Nach Rundfunkberichten raste der Busfahrer absichtlich in die Menschenmenge in der Nähe von Holon südlich von Tel Aviv. Sein Motiv und seine Identität waren zunächst unklar. Der Mann konnte mit seinem Bus zwar entkommen, er wurde jedoch sofort von Polizeiwagen und einem Hubschrauber verfolgt. Er konnte schließlich festgenommen werden, als der Bus mit einem Lastwagen zusammenstieß. Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab und untersuchte den Bus auf Sprengstoff.

Kritik der USA

Die USA haben die neue Spirale der Gewalt im Nahen Osten verurteilt. Die jüngsten Gewaltausbrüche, darunter die Tötung eines Leibwächters von Palästinenserpräsident Jassir Arafat bei einem israelischen Helikopterangriff, stelle eine "ernste Verschlechterung" der Sicherheitslage dar, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am Dienstag.

In ungewöhnlichen harschen Worten kritisierte Boucher dabei das israelische Vorgehen. Der Einsatz israelischer Kampfhubschrauber und die Angriffe der Palästinenser gegen Siedler erzeugten eine Spirale der Gewalt, die es unmöglich machen könnte, die Lage noch zu kontrollieren.

Präsident George W. Bush hatte in seinem Wahlkampf angekündigt, dass er sich nicht mehr so aktiv wie sein Vorgänger Bill Clinton in den Nahostkonflikt einschalten wolle. Nach dem Wahlsieg von Ariel Scharon hatte Bush alle Parteien zur Ruhe aufgerufen, um dem neuen Premierminister Zeit zu geben. US-Außenminister Colin Powell wird vom 23. bis 28. Februar den Nahen Osten bereisen.

EU kritisiert Ermordung von palästinensischem Offizier ebenfalls

Die Europäische Union hat Israel aufgefordert, die Tötung von mutmaßlichen palästinensischen Milizführern zu stoppen. In einer Stellungnahme hieß es, der Einsatz von Sicherheitskräften zu diesem Zweck sei illegal und behindere eine Friedenslösung im Nahen Osten. Die israelischen Streitkräfte hatten zuvor mit einem gezielten Raketenangriff einen hohen palästinensischen Offizier getötet.

In ihrer Stellungnahme bedauerte die EU die so genannten Eliminierungen von Palästinensern durch israelische Soldaten. Die israelische Regierung hatte offen zugegeben, dass der 54-jährige Major Massud Ajjad vorsätzlich liquidiert wurde und nannte ihn einen Terroristen, der Verbindungen zur radikalislamischen Hisbollah-Miliz gehabt habe. Der amtierende Ministerpräsident Ehud Barak sprach den Streitkräften seine "herzlichen Glückwünsche" aus. Dagegen nannte die palästinensische Regierung den Vorfall ein Kriegsverbrechen.

Schwere Kämpfe in Palästinensergebieten halten an

In den Palästinensergebieten gingen die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und bewaffneten Palästinensern auch in der Nacht zum Mittwoch weiter. Die schwersten Zusammenstöße wurden aus Chan Junis im südlichen Gazastreifen gemeldet. Nach palästinensischen Angaben beschoss die israelische Armee dort ein Flüchtlingslager mit Panzern und Raketen. Mindestens 100 Menschen seien verletzt worden. Israelische Panzer hätten außerdem Häuser in Rafah sowie in Hebron, Bethlehem und Nablus im Westjordanland beschossen.

Unterdessen teilte der Direktor des Flughafens in Gaza mit, dass die israelischen Behörden den Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen untersagt hätten. Von der Schließung des Flughafens seien auch rund 800 Pilger betroffen, die nach Mekka in Saudi-Arabien reisen wollten. Für sie war der Flughafen erst am Montag wieder geöffnet worden.

(RPO Archiv)
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