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Kundus: Merkel würdigt in Afghanistan gefallene Soldaten

Kundus : Merkel würdigt in Afghanistan gefallene Soldaten

Der erste Gang im nordafghanischen Kundus führt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ehrenhain für die gefallenen Soldaten. Seit Beginn des Einsatzes 2002 sind 53 deutsche Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen, 35 von ihnen durch Angriffe und Anschläge. Der Name des vergangenen Samstag aus nächster Nähe von Taliban erschossenen Hauptfeldwebels fehlt als einziger an der Backsteinmauer, vor der Merkel gemeinsam mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière der Gefallenen gedenkt.

Der 32-Jährige gehörte dem geheim operierenden Kommando Spezialkräfte (KSK) an. Selbst nach seinem Tod darf seine Identität nicht offenbart werden. Militärpfarrer Jochen Sennhenn spricht in der kurzen Andacht nur von dem Soldaten, "dessen Namen wir nicht kennen dürfen". Merkel verfolgt die Zeremonie mit versteinerter Miene. Später sagt sie: "Jeder Gefallene ist ein schwerer Schlag für uns."

Die Kanzlerin hat ihren fünften Afghanistan-Besuch lange vor dem Tod des KSK-Soldaten geplant. Die Visite war aber wie üblich bis zuletzt geheim gehalten worden. Selbst die afghanische Regierung wurde erst kurzfristig informiert – aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. In Kabul fühlt man sich düpiert. Ein Berater von Präsident Hamid Karsai – den Merkel nicht aufsucht – nennt es "ziemlich respektlos", wenn ausländische Regierungsvertreter das Land besuchten, ohne die afghanische Regierung darüber vorab in Kenntnis zu setzen.

Den Soldaten sagt die Kanzlerin: "Sie helfen nicht nur, die Sicherheit in Afghanistan zu verteidigen, sondern einen Beitrag zu leisten zu unser aller Sicherheit." Für Merkel ist es wahrscheinlich der letzte Truppenbesuch in Kundus. Im Herbst soll das Lager an die Afghanen übergeben werden. In der Basis parkt bereits ein eindrucksvoller Abzugs-Konvoi. 32 Lastwagen sollen Container und gepanzerte Fahrzeuge nach Masar-i-Sharif bringen. Von dort aus geht es weiter mit dem Flugzeug ins türkische Trabzon und dann per Schiff in die Heimat.

Deutschland hat als einziges Nato-Land bereits eine konkrete Zahl von Soldaten für eine Nachfolgemission angeboten: Bis zu 800 sollen es sein. Was genau auf sie zukommt, ist noch unklar. Einen Kampfauftrag wird es nicht mehr geben. Ausbildung und Beratung sollen im Mittelpunkt des neuen Mandats stehen.

Die Bundesregierung ist grundsätzlich bereit zur Aufnahme afghanischer Helfer, die nach dem Abzug der Bundeswehr um ihr Leben fürchten. "Sollte sich zeigen, dass Sie einer konkreten Gefahr für Leib oder Leben ausgesetzt sind, die auch durch einen Umzug nicht auflösbar erscheint, ist auch eine Aufnahme in Deutschland möglich", heißt es in einem Flugblatt für afghanische Mitarbeiter, das nach Angaben des Auswärtigen Amtes derzeit auf Deutsch und in der Landessprache Dari in den Bundeswehr-Camps ausgehängt und verteilt wird. Vor einer Aufnahme in Deutschland solle allerdings geprüft werden, ob die Bedrohung sich nicht durch eine Beschäftigung an anderer Stelle oder einen Umzug beseitigen lasse. Das Angebot gilt auch für afghanische Helfer des Auswärtigen Amtes und der deutschen Polizei.

(RP)