Düsseldorf: Merkel belohnt NRW-CDU mit zwei Minister-Posten

Düsseldorf: Merkel belohnt NRW-CDU mit zwei Minister-Posten

Dass gleich zwei von insgesamt sechs CDU-Ministerien vom nordrhein-westfälischen Landesverband besetzt werden sollen, war nicht zu erwarten. Immerhin hatte die CDU in NRW bei der Bundestagswahl 7,2 Prozent der Zweitstimmen eingebüßt - mehr als in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder dem Saarland.

Die Parteioberen in NRW haben nicht damit gerechnet, dass Noch-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe nicht unter den Kandidaten ist. "Das ist völlig überraschend", sagte der Chef der NRW-Landesgruppe im Bundestag, Günter Krings, unserer Redaktion. Krings: "Ich freue mich, dass NRW zwei Minister stellen soll. Aber das Ausscheiden von Gröhe ist ein menschlicher und fachlicher Verlust."

Selbst Ministerpräsident Armin Laschet, der als Chef der Landespartei und als Parteivize auf Bundesebene zu den engen Vertrauten von Parteichefin Angela Merkel zählt, hielt Gröhe noch vor wenigen Tagen für gesetzt, hieß es in seinem Umfeld. Anstelle des Neusser Rechtsanwaltes Gröhe ziehen nun aber der Konservative Jens Spahn aus dem westlichen Münsterland als Gesundheitsminister und die weitgehend unbekannte Anja Karliczek aus Ibbenbüren ins Kabinett ein - falls die große Koalition zustande kommt.

Dennoch dürfte die Kanzlerin zumindest die Personalie Spahn mit Laschet abgestimmt haben. Denn Spahn kam Laschet schon etliche Male in die Quere - etwa, als er 2014 gegen Laschets Willen Gröhe den Sprung ins Bundes-Präsidium verbaute. Aber nachdem Laschet im Mai überraschend die NRW-Wahl gewonnen hatte, soll er mit Spahn einen Burgfrieden geschlossen haben. Angeblich hatte Laschet sogar die Zusage der Kanzlerin, dass Spahn ohne Laschets Einverständnis in Berlin nichts wird.

Laschet sagte gestern: "In zentralen Themen übernehmen starke Köpfe aus Nordrhein-Westfalen Verantwortung für eine zukunftsorientierte Politik in Deutschland. Anja Karliczek und Jens Spahn stehen für die Vielfalt der Volkspartei CDU." Dass Merkel gleich zwei Köpfe aus NRW zu Bundesministern machen will, ist auch eine Belohnung für den Landtagswahlkampf der NRW-CDU. Gegen alle Prognosen nahm die Union der SPD nach sieben Jahren die Landesregierung ab. Deshalb hadert die NRW-CDU auch mit der Zusammensetzung des 19. Bundestages. Zuvor stellte sie in Berlin noch 63 Abgeordnete - jetzt sind es 42. Selbst die CSU darf 46 Abgeordnete nach Berlin schicken.

(tor)