Mengeles Tagebücher für 245 000 Dollar versteigert

Mengeles Tagebücher für 245 000 Dollar versteigert

Stamford (RP) Das Kopfgeld, das auf seine Ergreifung ausgesetzt war, lag bei einer Million Mark. Trotzdem starb Josef Mengele, von 1943 bis 1945 SS-Arzt im Konzentrationslager Auschwitz, unbehelligt 1979 an einem malerischen Strand in Brasilien. Der Mann, der Zehntausende KZ-Gefangene bei der Selektion in die Gaskammern schickte, Häftlinge für grausame Experimente missbrauchte und dabei ihren Tod billigend in Kauf nahm, scheint noch heute eine enorme Faszination auszustrahlen. Wie lässt sich ansonsten das Aufsehen um die Versteigerung seiner Tagebücher in den USA erklären.

31 Dokumente, 3500 Seiten mit autobiografischen Aufzeichnungen, philosophischen Betrachtungen und Gedichten aus den Jahren 1960 bis 1975, kamen gestern beim Auktionshaus Alexander Autographs in Stamford im Bundesstaat Connecticut unter den Hammer. Ein unbekannter Bieter erhielt bei einem Gebot von 245 000 Dollar (170 000 Euro) den Zuschlag für die Dokumente. Damit blieb das Gebot deutlich unter dem Schätzwert für die bislang unveröffentlichten handschriftlich abgefassten Bücher und Schulhefte. Dieser lag bei bis zu 400 000 Dollar.

Der Verkauf der Manuskripte stößt vor allem in Deutschland auf Unverständnis: "Dass Bieter bereit sein könnten, für einen solchen Menschen derartige Summen rauszuwerfen, stellt eine ganz eigene Geschmacklosigkeit dar", sagte der Mengele-Biograf Ulrich Völklein im MDR. Völklein geht demnach von der Echtheit der Aufzeichnungen aus: "Nach dem Tode Mengeles 1979 sind große Teile seiner Aufzeichnungen in Unterstützerkreisen versickert." Die Identität des Verkäufers wurde nicht bekannt.

(RP)
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