Köln: Meisner lockert Verbot für "Pille danach"

Köln : Meisner lockert Verbot für "Pille danach"

Katholische Kliniken dürfen vergewaltigten Frauen in Einzelfällen Verhütungsmittel geben.

Im Streit um die Behandlung vergewaltigter Frauen in katholischen Krankenhäusern hat der Kölner Erzbischof Joachim Meisner gestern seine Haltung präzisiert. Meisner hält die Verordnung einer bestimmten Form der "Pille danach" für hinnehmbar. Wenn das Präparat "mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar", heißt es in einer Erklärung Meisners. Eine "Pille danach", die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen verhindern solle, sei dagegen nicht hinnehmbar.

Der Kardinal berücksichtige mit dieser Erklärung neue wissenschaftliche Erkenntnisse, erläuterte die Pressestelle des Erzbistums. Nach Auskunft von Fachleuten gebe es unter der Bezeichnung "Pille danach" unterschiedliche Medikamente mit verschiedenen Wirkprinzipien, sagte der Kardinal. Daraus ergäben sich auch ethische Konsequenzen.

Die Ärzte in katholischen Kliniken forderte Meisner auf, sich im Umgang mit vergewaltigten Frauen in ihrem ärztlichen Handeln an diesen Prinzipien auszurichten. Es sei auch "nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären".

Nach Angaben des Erzbistums müssen danach künftig die Ärzte aus eigener wissenschaftlicher Einschätzung abwägen, inwieweit ein Präparat vor allem die Einnistung einer Eizelle verhindere. Die Krankenhäuser reagierten erleichtert auf die Erklärung des Kardinals.

Hintergrund der Diskussion ist der Fall einer Frau in Köln, die von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden war. Sie hatten sich geweigert, die Vergewaltigte zu untersuchen und mögliche Spuren zu sichern, weil dies auch mit einer Beratung über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch sowie dem Verschreiben der "Pille danach" verbunden gewesen wäre.

Der Katholische Krankenhausverband hatte die Möglichkeit gefordert, Frauen nach einer Vergewaltigung die "Pille danach" zu verschreiben. Das müsse im Einzelfall jede Klinik für sich entscheiden dürfen, sagte Geschäftsführer Thomas Vortkamp. Die Ärzte müssten im Einzelfall nach eingehender Beratung der Frau entsprechend ergebnisoffen Möglichkeiten aufzeigen. Es könne aus medizinischen Gründen durchaus geboten sein, die "Pille danach" als Verhütung zu geben.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) lobte die "eindeutige Erklärung" Meisners. Sie beende die in seinem Erzbistum aufgetretene Verunsicherung.

(RP)