Peter Altmaier: "Mein Akku läuft mit erneuerbarer Energie"

Peter Altmaier : "Mein Akku läuft mit erneuerbarer Energie"

Der Umweltminister will mehr Wohlstand mit weniger Energieverbrauch erreichen. Er selbst zeigt sich unermüdlich.

Sie sind seit sieben Monaten Umweltminister und müssen die schwierige Energiewende stemmen. Wie leer ist ihr eigener Akku?

Altmaier Ich verfüge zum Glück über einen Akku mit erneuerbarer Energie. Meistens reicht einmal ausschlafen am Wochenende und ein paar Tage ausspannen im Sommer und über Weihnachten. Das Amt macht mir Freude und gibt mir Kraft.

Die Energiewende steht in der Kritik. Wie viel Prozent sind bisher umgesetzt?

Altmaier Zunächst einmal war es wichtig, sie in Angriff zu nehmen. Ich glaube, allen ist inzwischen klar, dass wir eine nationale Ausbaukonzeption für die erneuerbaren Energien brauchen und nicht 16 verschiedene Konzepte. Die Bereitschaft ist inzwischen allerorten da, das Erneuerbare-Energien-Gesetz grundlegend zu reformieren. Ich würde sagen, knapp ein Viertel der Wegstrecke haben wir hinter uns. Ende 2013 sollten wir bei rund 40 Prozent der Umsetzung sein.

Die Energiewende betrifft verschiedene Gruppen, die alle ihre Interessen durchsetzen wollen. Nervt der Job nicht auch manchmal?

Altmaier Ich glaube, dass die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten der Energiewende unterschätzt wurden. Deshalb habe ich in den ersten sechs Monaten vor allem daran gearbeitet, die Probleme und möglichen Lösungswege klar zu benennen und die Bevölkerung für die Herausforderung zu sensibilisieren. Die Energiewende ist vor allem aber eine große Chance für die Innovationsfähigkeit dieser Volkswirtschaft. Auf der anderen Seite ist es eine Operation am offenen Herzen, der komplette Umbau eines Systems, das in 150 Jahren gewachsen ist. Das verlangt einen nationalen Konsens. Daran arbeiten wir.

Die Energiepreise steigen und Energiesparen wird wichtiger. Das Fraunhofer-Institut hat errechnet, dass in privaten Haushalten Einsparpotenziale von insgesamt 125 Milliarden Euro schlummern.

Altmaier Das sind erst einmal nur nackte Zahlen. Tatsächlich lässt sich aber in der Wirtschaft und in den Privathaushalten Energie sparen, ohne dass die Lebensqualität oder die Ertragslage eingeschränkt wird.

Wie soll diese Art des Energiesparens konkret in einem privaten Haushalt funktionieren?

Altmaier In meinem Keller gibt es beispielsweise eine 30 Jahre alte Ölheizungspumpe. Ich habe festgestellt, dass eine neue Pumpe nur ein Sechstel der Energie verbraucht. Die neue Pumpe kostet etwa 450 Euro, mein Stromversorger hat mir sogar einen Zuschuss angeboten. Das lohnt sich also.

Ist die deutsche Wohlstandsgesellschaft zu verschwenderisch?

Altmaier Nein, ich glaube aber, dass sich die Mentalität zunehmend ändert. Die Zahl der Bürger, die sich bei Beratungsstellen, aber auch bei uns im Ministerium, nach Einsparmöglichkeiten erkundigen, hat sich in den letzten Monaten mindestens verzehnfacht. Wir haben im ersten Halbjahr 2012 zum ersten Mal in Deutschland weniger Strom verbraucht als im Vorjahreszeitraum. Die Herausforderung wird sein, mehr Wohlstand mit weniger Energieverbrauch zu erreichen.

Peer Steinbrücks Frau sagt, dass sie zu Hause nur bis 18 Grad heizen. . .

Altmaier (lacht) Bei mir zu Hause ist es auch nicht wärmer als 18 Grad. Ich bin aber auch ordentlich vor Wärmeverlust geschützt. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Als ich noch Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion war, wurde mein Büro von den Kollegen als Eiskeller bezeichnet.

Für Niedrigverdiener und Familien mit geringem Einkommen entwickeln sich die Strompreise zur zweiten Miete. Wie kann die Politik gegensteuern?

Altmaier Patentlösungen gibt es nicht, aber wir können die Strompreise dadurch in den Griff bekommen, dass wir die Energiewende besser organisieren. Daran arbeite ich, etwa indem wir bereits im Sommer die staatlichen Förderungen über das EEG für die Photovoltaik gedrosselt haben. Jetzt erleben wir, dass der Ausbau der Windenergien an Land in hohem zweistelligen Bereich wächst. Das kann auf Dauer für alle Beteiligten zu Problemen führen, und deshalb brauchen wir auch in diesem Bereich eine Reform.

Noch vor der Bundestagswahl?

Altmaier Ich bin im Gespräch mit den Bundesländern und will vor der Bundestagswahl Klarheit haben, in welche Richtung die Reise geht. Ob es noch vorher zu einem Gesetz kommt, hängt von den Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat ab.

Die NRW-Minister Duin und Remmel schlagen eine Art Abwrackprämie für alte Heizungen vor.

Altmaier Ich habe zu beiden ein gutes Verhältnis – aber das ist doch scheinheilig. Im Bundesrat sind steuerliche Anreize für die energetische Gebäudesanierung an SPD und Grünen gescheitert. Mich würde doch sehr interessieren, mit welchem Anteil sich NRW dann an diesen neuen Forderungen beteiligt.

Sollte die Union 2013 die Bundestagswahl gewinnen, wollen Sie dann Umweltminister bleiben?

Altmaier Politische Ämter sind Ämter auf Zeit und abhängig von der Entscheidung der Wähler. Ich möchte jedenfalls am Ende meiner Amtszeit sagen können, dass ich die Energiewende einen deutlichen Schritt nach vorne gebracht habe. Das heißt auch, dass ich bereit bin, diese wichtige Aufgabe weiter fortzuführen.

MICHAEL BRÖCKER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)
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