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Interview mit Barbara Hendricks (SPD): "Mehr Tempo beim Klimaschutz"

Interview mit Barbara Hendricks (SPD) : "Mehr Tempo beim Klimaschutz"

Die Umweltministerin spricht über schwache Beschlüsse der Konferenz in Lima.

Welche Ergebnisse hätten Sie sich von der Klima-Konferenz gewünscht, die in Lima stattfand?

Hendricks Das positive Ergebnis von Lima ist für mich: Es ist noch alles drin. Der Kompromiss eröffnet alle Möglichkeiten für ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen nächstes Jahr in Paris. Aber natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir in Lima mit einigen Vorarbeiten schon weitergekommen wären. Dann wäre der Weg nach Paris nicht ganz so steil und steinig. Fest steht: Wir müssen mehr Geschwindigkeit machen beim Klimaschutz!

Worin sehen Sie den Durchbruch? An den Beschlüssen kann es nicht liegen.

Hendricks Dass sich zum ersten Mal eben nicht nur die Industrieländer, sondern auch die Entwicklungsländer dazu bekannt haben, beim Klimaschutz mitzumachen. Die alte Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ist beim Klimaschutz einfach nicht mehr zeitgemäß. Diese Brandmauer bricht jetzt langsam auf. Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass Entwicklungsländer wie Peru zu den Geberländern für den Grünen Klimafonds gehören? Und wer hätte zu hoffen gewagt, dass auch Schwellenländer eigene Klimaschutzbeiträge vorlegen wollen? Wir müssen jetzt hart daran arbeiten, dass wir diese positiven Entwicklungen zu einem echten Durchbruch in Paris ummünzen.

Was bedeutet das für die entscheidende Konferenz 2015 in Paris?

Hendricks Zentral ist, dass alle Staaten mitmachen. Es geht nicht länger an, dass sich wie beim Kyoto-Protokoll nur eine Minderheit von Staaten zum Klimaschutz verpflichten, die nur einen kleinen Teil der weltweiten Emissionen verursachen. Dann brauchen wir zum einen verbindliche Verfahren zur Überprüfung der Ziele, die dafür sorgen, dass die Staaten einander vertrauen. Zum anderen müssen wir einen Mechanismus vereinbaren, mit dem wir nach Paris regelmäßig das Ambitionsniveau steigern. Unser langfristiges Ziel ist die grüne Null: null Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrhunderts. Auf dem Weg dahin werden die Staaten merken, dass dieses Ziel nicht so unerreichbar ist, wie es jetzt scheint. Die erneuerbaren Energien werden immer besser und billiger und sind immer häufiger erste Wahl - und diese Entwicklung ist noch längst nicht am Ende.

JAN DREBES FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(jd)