Istanbul: Mehr als 1000 Verletzte in der Türkei

Istanbul : Mehr als 1000 Verletzte in der Türkei

Die Polizei geht brutal gegen Demonstranten vor. Die Regierung räumt Fehler ein.

Die Türkei wird von schweren Unruhen erschüttert. Bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten wurden am Wochenende über 1000 Menschen verletzt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach sogar von zwei Toten, was von Regierungsseite jedoch nicht bestätigt wurde. Insgesamt gab es mehr als 90 Kundgebungen in mehr als der Hälfte der türkischen Provinzen. Dabei wurden fast 1000 Menschen festgenommen.

Ausgelöst hatte die Demonstrationen die Räumung eines Protestlagers, mit dem die Zerstörung des Gezi-Parks nahe dem Taksim-Platz in Istanbul verhindert werden sollte. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfern und gepanzerte Fahrzeuge ein. Im Internet wurden Videos verbreitet, auf denen friedliche Demonstranten von Sicherheitskräften brutal misshandelt werden. Gestern forderten Tausende beim Marsch auf den Taksim-Platz den Rücktritt von Premier Recep Tayyip Erdogan.

Dieser räumte Fehler beim Vorgehen der Polizei ein. Die Kritik an seinem autoritären Regierungsstil wies er aber zurück. Er lasse sich nicht bei seinen Projekten von einigen Marodeuren behindern.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sprach von einem unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt vonseiten der Polizei. Der Präsident des Europa-Parlaments, der SPD-Politiker Martin Schulz, sah ein völlig unangemessenes Vorgehen der Sicherheitskräfte. Aus dem US-Außenministerium in Washington hieß es, Sicherheit und Wohlstand ließen sich am besten durch die Beibehaltung der Grundrechte gewährleisten.

In Berlin zogen gestern rund 600 Demonstranten vor die türkische Botschaft und protestierten gegen die Regierung Erdogan. In Essen kam es nach einer Kundgebung zu Ausschreitungen. Polizisten wurden von Demonstranten mit Glasflaschen beworfen und mit Stangen angegriffen. Die Polizei nahm neun Personen in Gewahrsam.

Leitartikel Seite A 2

(uhl)