Lkw-Verkehr gefährdet Klimaziele

Zu wenig Einsparungen : Lastwagen-Verkehr gefährdet deutsche Klimaziele

Bis 2028 werden die Emissionen von Lastwagen laut Bundesregierung kaum zurückgehen. Der Verkehrssektor bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Prognosen sind umstritten.

Bleibt es bei den hohen CO2-Emissionen im Straßenverkehr, wird Deutschland die wichtigen Klimaziele im Jahr 2030 voraussichtlich nicht einhalten können. Wesentlicher Treiber wird dabei der Lkw-Verkehr sein, wie eine aktuelle Prognose zeigt, auf die sich das Bundesverkehrsministerium beruft und die unserer Redaktion vorliegt. Demnach werden schwere Nutzfahrzeuge im Jahr 2028 immer noch 44 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, nur knapp vier Prozent weniger als heute. Insgesamt wird der Straßenverkehr für 142 Millionen Tonnen verantwortlich sein, vorgesehen sind jedoch nur 98 Millionen Tonnen im Jahr 2030.

Im Pariser Klimaabkommen hatte sich Deutschland verpflichtet, die Treibhausgasemissionen drastisch zu senken. Konkret soll 2030 mindestens 55 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden als im Jahr 1990. Das Problem: Während in allen anderen Bereichen ein Rückgang erkennbar ist, stagnieren die Verkehrsemissionen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Lkw-Verkehr zunehmen wird. Das Bundesamt für Güterverkehr ging zuletzt von Steigerungsraten um drei Prozent bis 2020 aus. Zudem ist unklar, ob Lastwagen deutlich sparsamer werden. Das wiederum legt aber das Verkehrsmodell Tremod in der Prognose zugrunde, das im Auftrag des Umweltbundesamtes entwickelt wurde. Darin wird mit 20 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch bis 2030 gerechnet – eine Einschätzung, die Experten anzweifeln. So kommt ein Lkw nach Angaben von Rüdiger Ostrowkski vom Verband Spedition und Logistik in NRW heute mit 24 Litern Diesel auf 100 Kilometer aus. Vor 30 Jahren seien noch 40 Liter nötig gewesen. „Das ist aber weitgehend ausgereizt“, sagt Motorenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen/Duisburg, „in den nächsten zehn Jahren kann man vielleicht noch fünf Prozent rausholen – damit schafft man keine Klimawende.“

Für Dudenhöffer liegt die Zukunft des klimafreundlichen Lkw-Verkehrs auf der Kurzstrecke in Elektroantrieben und auf der Langstrecke in „power to fuel“-Techniken: tankbare Flüssigkeiten für Verbrennungsmotoren, die allerdings aus regenerativen Energien gewonnen werden. Eine andere Lösung könnte die Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Schiene sein. Laut Logistiker Ostrowski ist Deutschland darauf jedoch nicht vorbereitet. „Es gibt nicht genug Wettbewerb auf der Schiene und die Technik der Bahn hinkt dem Digitalzeitalter hinterher“, sagte er. „Wir setzen Lkw nicht ein, weil wir das wollen, sondern weil wir keine Alternative haben.“

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) betonte, das Land habe bereits erste Schritte gemacht, um mehr Güter auf die Schiene zu bekommen. „Wir haben im letzten Jahr die Förderung der Nichtbundeseigenen Eisenbahnen wieder eingeführt. Deren Schienen sind wichtig für die Anbindung von Industrie- und Gewerbegebieten an die Hauptstrecken der Bahn“, sagte Wüst unserer Redaktion.

Zuletzt war Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit einem Entwurf des geplanten Klimagesetzes vorgeprescht, samt Einsparvorgaben für den Verkehr. In der Union stieß das auf harsche Kritik. Nun soll Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Vorschläge erarbeiten, wie sich die Verkehrsemissionen senken lassen.

(jd/tor)
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