Persönlich: Liu Xiaobo . . . kommt todkrank aus der Haft frei

Persönlich : Liu Xiaobo . . . kommt todkrank aus der Haft frei

Die Nachricht verbreitete sich gestern trotz Chinas Zensurrasend schnell in den sozialen Netzwerken: Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, ist vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Nachricht verbreitete sich gestern trotz Chinas Zensurrasend schnell in den sozialen Netzwerken: Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, ist vorzeitig aus der Haft entlassen.

Begnadigt wurde der 61-Jährige allerdings nicht. Er leidet an Leberkrebs im Endstadium und wurde aus dem Gefängnis in die Universitätsklinik in Shenyang im Nordosten Chinas gebracht. Sein Anwalt Mo Shaoping bestätigte die "Bewährung aus medizinischen Gründen". Sehen durfte er Liu nicht. Auch die medizinische Behandlung im Ausland bleibt dem Bürgerrechtler verwehrt. Der in chinesischer Literatur promovierte Liu war Dozent in Peking. 1989 beteiligte er sich in der Hauptstadt Chinas an der studentischen Demokratiebewegung, die in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni vom Militär gewaltsam beendet wurde und mit 2600 Toten als Tiananmen-Massaker in die Geschichte einging. Danach saß der Literaturwissenschaftler immer wieder in Haft - insgesamt fünf Jahre lang. Doch Liu setzte sich weiter für Menschenrechte in China ein, wurde 2003 Präsident des Independent Chinese PEN Center und verfasste die 2008 von 303 Intellektuellen unterzeichnete "Charta 08" mit, die zu politischen Reformen und Demokratisierung in China aufruft. 2009 wurde Liu dafür unter weltweiten Protesten zu elf Jahren Haft verurteilt. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis. Das Bild des auf der Bühne stehenden leeren Stuhles bei der Verleihung in Oslo ging um die Welt.

Chinas Regierung hat Forderungen nach einer Freilassung stets zurückgewiesen. Und auch jetzt sehen Menschenrechtler kein Zeichen für ein Umdenken. Die Gesellschaft für bedrohte Völker erklärte: "Wir beobachten seit Jahren, dass schwer erkrankte oder gefolterte politische Gefangene in China aus der Haft entlassen werden, damit sie zu Hause und nicht im Polizeigewahrsam sterben."

(RP)
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