Duisburg: Lehmbruck-Museum gesperrt

Duisburg : Lehmbruck-Museum gesperrt

Das Traditionshaus im Kantpark ist aus Sicherheitsgründen mindestens eine Woche für das Publikum nicht mehr zugänglich. Die Bauaufsicht bemängelte die Aufhängung der Deckenplatten in der Glashalle.

Es geschah bei der Routinebegehung der örtlichen Bauaufsicht: Ein Mitarbeiter blickte in der großen Glashalle des Lehmbruck-Museums auf die Decke und fragte nach, wie dort die etwa 1,40 mal 1,40 Meter großen Plexiglas-Platten befestigt seien, mit denen das Innendach verkleidet ist. "Die liegen auf den kleinen Plättchen einfach auf", war die Antwort. Eine solche Konstruktion erschien dem Mitarbeiter nicht geheuer, und er verfügte, dass das Betreten der Glashalle ab sofort nicht mehr gestattet ist — so lange, bis geklärt ist, dass die in sieben Meter Höhe befindlichen, jeweils etwa 15 Kilogramm schweren Verkleidungselemente auf keinen Fall herabstürzen können.

Wenige Tage zuvor hatte die Bauaufsicht bereits die Geländer im Lehmbruck-Trakt beanstandet, die ebenfalls nicht mehr heutigen Sicherheitsstandards genügen. Gestern Nachmittag beschloss daraufhin Museumsdirektor Raimund Stecker, das Lehmbruck-Museum aus Sicherheitsgründen vorerst komplett zu schließen.

Stecker zeigte sich im Gespräch mit der Rheinischen Post zerknirscht über die vorläufige Schließung, fügte aber hinzu, dass er "der Letzte" sei, der Sicherheitsbedenken ignoriere. Zwar sei in den 48 Jahren seit Eröffnung des Lehmbruck-Museums noch niemals eine Deckenplatte herabgestürzt. Die Verkleidungselemente seien vor zwei Jahren gereinigt und wieder eingesetzt worden. Auch sei noch niemals jemand durch das Geländer im Lehmbruck-Trakt gebrochen, doch müsse man die Sicherheitsbedenken ernst nehmen.

Am Montag sollen Fachleute die Deckenplatten, die bislang nur per Augenschein bewertet wurden, in die Hand nehmen, um einschätzen zu können, ob sie anders als bisher befestigt werden müssen. "Die Sicherheitsstandards sind eben anders als 1964 bei der Eröffnung des Museums", sagte Claudia Thümler, Steckers Stellvertreterin.

Rechtlich ist es nach Auskunft Steckers so, dass alle Reparaturen bis zu einer Höhe von 25 000 Euro von der Stiftung Lehmbruck-Museum bezahlt werden müssen, die Nutzer des Gebäudes ist. Alle Kosten jenseits dieser Grenze müssten vom Immobilienmanagement Duisburg (IMD) getragen werden. Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich versicherte, dass das IMD ab Montag alles dafür tun werde, die Mängel schnellstmöglich zu beheben und das Lehmbruck-Museum wieder für das Publikum zu öffnen. Greulich und Stecker gehen davon aus, dass das Museum in einer Woche wieder geöffnet werden kann. Doch weder Greulich noch Stecker wollten eine Einschätzung über mögliche Kosten abgeben.

Stecker betonte, dass die möglichen Mängel, die zu einer vorsorglichen Schließung des Hauses geführt hätten, nichts mit der "herausragenden Architektur von Manfred Lehmbruck" zu tun haben. Es zeige sich aber, dass eine solche Architektur "gepflegt" werden müsse. Stecker: "Wir müssen uns endlich mit dem Immobilienmanagement zusammensetzen, um über den Sanierungsbedarf im Museum zu sprechen." Es gebe einen regelrechten Renovierungsstau: "Es regnet durchs Dach, und der Teich vor dem Museum wartet seit Jahren auf seine Wiederherstellung."

Die vorläufige Schließung des Museums führt dazu, dass die für den morgigen Sonntag geplante Finissage der erfolgreichen Georg-Hornemann-Ausstellung verschoben wird. Nach Wiedereröffnung des Museums soll die Schau noch zwei Wochen im Hause bleiben. Auch die für die kommende Woche geplanten Ausstellungseröffnungen mit Werken von Martina Klein und Fabián Marcaccio werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

(RP)