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Beate Und Serge Klarsfeld: "Le Pen als Präsidentin? Dann wandern wir aus"

Beate Und Serge Klarsfeld : "Le Pen als Präsidentin? Dann wandern wir aus"

Die ehemaligen Nazi-Jäger sorgt heute vor allem der zunehmende Rechtsextremismus in Frankreich. Ein skeptischer Blick in die Zukunft.

Paris Jahrzehntelang haben die gebürtige Berlinerin Beate Klarsfeld, die 1968 Bundeskanzler Kiesinger wegen dessen NS-Vergangenheit ohrfeigte, und ihr Mann Serge weltweit Nazi-Verbrecher aufgespürt, um sie vor Gericht zu bringen. 70 Jahre nach Kriegsende sieht das Paar seine Aufgabe im Kampf gegen den rechtsextremen Front National.

Bald gibt es keine Nazi-Verbrecher mehr, die noch vor Gericht gebracht werden könnten. Welche Aufgabe sehen Sie noch für sich?

BEate Klarsfeld Verhindern, dass Marine Le Pen Präsidentin wird. Denn das ganze Gedenken an die Opfer von Auschwitz würde zerstört, wenn der FN an die Macht käme.

Der Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen, hat die Gaskammern der Konzentrationslager mehrfach als "Detail der Geschichte" bezeichnet. Seine Tochter Marine gibt sich gemäßigter.

SergE Klarsfeld Sie kann sich so geben, aber ihre Partei wird sich deshalb nicht ändern. Sie hat ihren Vater nicht vor die Tür gesetzt. Jean-Marie Le Pen bleibt Parteimitglied, und alle seine radikalen Wähler werden für den FN stimmen.

Es gibt in Frankreich den Antisemitismus der Rechtsextremen, aber auch den Antisemitismus der arabischen Einwanderer, der sich vergangenen Sommer während des Gaza-Konflikts gezeigt hat...

Serge Klarsfeld Das ist eine große Bedrohung, die uns Sorgen macht. Es gibt offenen Hass auf Israel und die Juden. Die alten antisemitischen Vorurteile aus Kriegszeiten kommen wieder hoch. Die großen Bedrohungen für die Gesellschaft liegen im Rechtsextremismus und im muslimischen Terrorismus.

Was halten Sie vom Appell des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an die Juden Frankreichs, nach Israel auszuwandern?

Serge Klarsfeld Es ist normal, dass der Vertreter Israels alle Juden weltweit auffordert, nach Israel zu kommen. Aber die französischen Juden werden nicht in Massen emigrieren. Wir beide sind ein Sonderfall, denn wir wollen keine Märtyrer werden. Kommt Marine Le Pen an die Macht, werden wir sofort auswandern.

Auch in Deutschland gibt es einen neuen Antisemitismus. Im vergangenen Jahr waren bei propalästinensischen Demonstrationen antijüdische Parolen zu hören.

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BEate Klarsfeld Wenn es in Deutschland eine Wirtschaftskrise wie in Frankreich gäbe, würde auch dort der Antisemitismus zunehmen. Das ist bisher nicht der Fall. Aber die Zivilisation ist sehr anfällig. Es reicht, nicht genug zu essen oder keine Arbeit haben, um ideologisch abzudriften.

Seit Jahrzehnten widmen Sie sich dem Gedenken an die Shoah. Haben Sie Angst, dass die Verbrechen vergessen werden, wenn die letzten Zeitzeugen wie Sie tot sind?

Beate Klarsfeld Nein, es gibt ja Museen, Dokumentationszentren und Bücher. Vor 50 Jahren gab es weltweit 300 Bücher über die Shoah, heutzutage sind es 50 000. Die Frage ist vielmehr, wohin sich die Gesellschaft entwickelt. Ob es eine humanistische oder eine totalitäre Gesellschaft wird. Man wird sehen.

CHRISTINE LONGIN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)