Düsseldorf: Laumann: Zu viel Liberales schadet der CDU

Düsseldorf : Laumann: Zu viel Liberales schadet der CDU

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag von NRW, Karl-Josef Laumann, lehnt das Ehegattensplitting für homosexuelle Lebenspartnerschaften ab. Laumann sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, es gehöre zum Kern der CDU-Geschichte, dass sie ein klares Bild von der besonderen Bedeutung von Ehe und Familie habe: "Wenn wir in diesem Punkt unseren Standpunkt aufgeben, etwa durch völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe, dann gehen wir an unsere Fundamente." Eine solch fundamentale Frage gehöre auf den Bundesparteitag und nicht in die Hand einzelner Abgeordneter.

Für die CDU müsse klar sein: "Ohne viele gesunde Familien gibt es letzten Endes keine gute Gesellschaft." Deshalb sei es richtig, einzig die besondere Form menschlichen Zusammenlebens, aus der in der Regel auch Kinder hervorgehen, steuerlich zu privilegieren.

Die CDU müsse die Wirtschaft auffordern, die Arbeitswelt beziehungsweise Arbeitsverträge familienfreundlich zu gestalten. Ihm bereite es große Sorge, dass mittlerweile jeder zweite Einstellungsvertrag eines jungen Menschen bloß befristet sei. Laumann: "Flexibilität muss sein, wenn man am Markt erfolgreich sein will, aber andererseits ist es doch selbstverständlich, dass junge Leute bei ihrer Überlegung, zu heiraten und eine Familie zu gründen, auf Sicherheit ihres Arbeitsverhältnisses Wert legen."

Zum umstrittenen Betreuungsgeld für die Eltern von Nicht-Kita-Kleinkindern vertritt Laumann eine zweigeteilte Position: Zum einem sei ihm ein Familienbild sympathisch, wonach zwei Drittel der Kinder unter drei Jahren zu Hause und nicht von Dritten betreut werden; zum anderen dürfe man das Betreuungsgeld nicht über neue Schuldenaufnahme finanzieren: "Wir sollten mit dem wenigen Geld, das zur Verfügung steht, ausreichend Kita-Plätze für berufstätige Eltern errichten, und im Übrigen gerade als CDU beweisen, wie ein Land ohne ständig neue Schuldenmacherei funktionstüchtig bleibt."

Laumann kritisierte massiv Versuche in der Partei, sich der FDP anzunähern. Zu viel Liberalismus und liberale Politik in der CDU, wie beispielsweise zu Beginn des Jahrzehnts, sei dafür verantwortlich, dass das konservative Profil der Union Schaden genommen habe. Der Düsseldorfer Fraktionschef, der auch Bundesvorsitzender der CDU-Sozialausschüsse ist, verwies auf Studien der Konrad-Adenauer-Stiftung. Diese belegten, dass die Enttäuschung der Stammwähler das größte Problem der Union sei. Laumann: "Wir haben uns von den kleinen Leuten entfernt."

Der führende Christdemokrat aus dem Münsterland fügte hinzu, als christlich-sozialer Konservativer befürworte er aus Überzeugung CDU/FDP-Koalitionen, aber: "Es geht nicht, dass wir darin der FDP ähnlich werden. Die CDU muss wieder wie früher auch die Anwältin der kleinen Leute, der normalen, fleißigen Menschen sein, seien es Arbeitnehmer oder unternehmerisch Tätige. Nur dann haben wir wieder die Chance, bei Wahlen 40 und mehr Prozent der Wähler von uns zu überzeugen. Wir sind keine Schicki-Micki-Partei und keine solche für Dax-Vorstände."

Laumann verwahrte sich dagegen, um neue Wählerschichten zu buhlen und dadurch die Stammwählerschaft zu verärgern. Die wisse dann meist nicht mehr, warum sie eigentlich noch CDU wählen solle.

(RP)
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