Meerbusch: Landrat schließt zwei Altenheime

Meerbusch : Landrat schließt zwei Altenheime

In Meerbusch sollen Pflegekräfte Senioren vernachlässigt haben.

Wegen schwerer Pflegemängel hat der Rhein-Kreis Neuss dem Seniorenwohnpark Meerbusch und dem benachbarten Altenheim Medina die Betriebserlaubnis entzogen. Der Vorwurf: In den von der Marseille-Kliniken AG geführten Einrichtungen soll es Probleme bei der Medikamentenvergabe gegeben haben. Darüber hinaus soll sich zu wenig Personal um die Bewohner gekümmert haben. Schon seit Januar galt ein Aufnahmestopp.

Allein in den letzten zwölf Monaten sei 36-mal die Heimaufsicht des Kreises vor Ort gewesen, um Mängel zu überprüfen, sagte der stellvertretende Landrat Jürgen Steinmetz. Dazu kamen drei Sonderprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK). "Bei einer Prüfung im Februar waren 16 von 23 Patienten unzureichend oder gar nicht mit Medikamenten versorgt", sagte MDK-Arzt Karlheinz Großgarten. Ähnliches wiederholte sich nur zwei Tage später.

So fehlten etwa bei einer herzkranken Patientin die Blutdruck-Medikamente. Falsch dosiert oder nicht bereitgestellt wurden offenbar auch notwendige Schmerzmittel. "Bei fünf Bewohnern, die an Diabetes leiden, konnte nicht nachvollzogen werden, dass sie regelmäßig Insulin bekomme", sagte Großgarten. Schwere Vorwürfe macht der MDK auch zum Ernährungs- und Pflegezustand der rund 100 Bewohner beider Heime. So seien im Februar einige Patienten angetroffen worden, die eklatant an Gewicht verloren hatten. Auch seien Druckgeschwüre, offene Wunden und Hautfaltenekzeme nicht behandelt worden.

"Wir arbeiten mit Hochdruck an der Behebung der Mängel in unserer Einrichtung Medina Meerbusch", hieß es in einer Erklärung der Marseille-Kliniken AG. Nach Bekanntwerden der ersten Beschwerden im Januar dieses Jahres sei sofort der Heimleiter entlassen worden. "Die damals festgestellten Mängel stehen im krassen Gegensatz zu den hohen Standards der Marseille-Kliniken."

(RP)
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