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Landesbeamte in NRW sollen Arbeitsort künftig frei wählen

Innovativer Vorschlag : Landesbeamte sollen Arbeitsort frei wählen

NRW-Regierungsfraktionen wollen Behördenjobs in Co-Working-Spaces ermöglichen, um den öffentlichen Dienst attraktiver zu machen. Die Gespräche über die Beamten-Besoldung mit der Landesregierung sind nach Angaben der Gewerkschaften hingegen gescheitert.

Landesbeamte in Nordrhein-Westfalen sollen ihren Arbeitsort künftig flexibler wählen können. Eine Initiative der CDU-/FDP-Regierungsfraktionen traf am Freitag im Landtag allseits auf großen Zuspruch. Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollen demnach vor allem im ländlichen Raum wohnortsnah in modernen Bürogemeinschaften zusammenarbeiten („Co-Working-Spaces“). „Wir alle haben in den vergangenen Wochen die Vorteile des Homeoffice erfahren“, sagte der CDU-Abgeordnete Florian Braun. Aber es gebe auch Nachteile wie zu wenig sozialen Austausch oder eine schlechte Büro-ausstattung. Arbeiten im Co-Working-Space kombiniere hingegen die Vorteile aus beiden Welten. Es begrenze Pendlerströme und entzerre das Stadt-Land-Gefälle.

Co-Working-Spaces sind insbesondere aus der Start-Up-Gründerszene bekannt, werden aber immer häufiger auch von Großkonzernen genutzt. Dort ist es möglich, Arbeitsplätze mit digitaler Infrastruktur zu mieten sowie Versammlungsräume. Die dabei entstehenden Kontakte auch mit anderen Berufsgruppen sollen die Kreativität fördern.

Durch die Digitalisierung sei die Ausübung vieler Tätigkeiten der öffentlichen Verwaltung ortsunabhängig möglich, sagte der FDP-Abgeordnete Jörn Freynick. „Mobile Arbeit steht daher effizienten Arbeitsabläufen nicht entgegen“, heißt es in dem Antrag von CDU und FDP, der nun in den Fachausschüssen des Landtags beraten werden soll.

SPD, Grüne und AfD unterstützten den Vorstoß grundsätzlich. Die SPD-Abgeordnete Ina Spanier-Oppermann betonte aber, solche Veränderungen seien nur mit Betriebsräten und Gewerkschaften machbar. Der Grünen-Politiker Matthi Bolte-Richter kritisierte, dass dieser Vorstoß zu spät komme: „Viel wird da bis zum Ende der Wahlperiode nicht mehr passieren.“ Ähnlich äußerte sich Sven Tritschler von der AfD. Es handele sich um einen „Schaufenster-Antrag“. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) begrüßte den Vorstoß, der Teil einer „Attraktivitätsoffensive“ des Landes ist, die dem öffentlichen Dienst im Wettbewerb um Fachkräfte Vorteile bringen soll.

Gespräche von Ministerpräsident Armin Laschet und Finanzminister Lutz Lienenkämper (beide CDU) mit Arbeitnehmervertretern wurden am Freitag von Gewerkschaftsseite jedoch für gescheitert erklärt. Streit entzündete sich vor allem am Thema Langzeitarbeitskonten: „Das vorgelegte Modell bedeutet in der Ansparphase eine zusätzliche Arbeitsverdichtung und einen freiwilligen Verzicht auf Urlaub“, sagte Roland Staude, Vorsitzender des Beamtenbunds DBB NRW, unserer Redaktion. Aktuell arbeiteten Beamte regulär schon 41 Stunden, das sei das Gegenteil von attraktiv. In dem Eckpunktepapier der Landesregierung sei zudem nicht mehr die Rede von gleichen Aufstiegschancen für Frauen: „Wir waren überrascht, dass das Thema Gleichstellung im jetzt vorgelegten Eckpunktepapier nicht aufgetaucht ist. Wir befürchten deswegen, dass es bei diesem wichtigen Zukunftsthema in dieser Legislatur keine Bewegung mehr geben wird.“

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Eine Studie der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung NRW zusammen mit dem DBB hatte schon 2018 ergeben, dass Beamtinnen wesentlich seltener befördert werden als ihre männlichen Kollegen - trotz höherer Bildungsabschlüsse.

(kib)