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Rom: Lampedusa: Bis zu 250 Afrikaner ertrunken

Rom : Lampedusa: Bis zu 250 Afrikaner ertrunken

Bei dem Versuch, die Menschen von einem manövrierunfähigen Flüchtlingsschiff zu retten, ist es in der Nacht vor Lampedusa zu einem schweren Unglück gekommen. Die Behörden gehen davon aus, dass bis zu 300 Menschen an Bord waren, nur 51 konnten bislang gerettet werden. Wegen des stürmischen Wetters gestaltet sich die Suche nach Opfern schwierig.

Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ist bei stürmischem Seegang ein Boot mit Flüchtlingen aus Nordafrika gekentert. Mindestens 130 Menschen würden vermisst, mindestens 15 seien ums Leben gekommen, teilte die italienische Küstenwache mit. Die Zahl der Opfer dürfte aber weit höher liegen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) geht nach Befragung der Überlebenden davon aus, dass der Kutter mit 300 Personen an Bord in Libyen gestartet war. Rettungskräfte zogen aber lediglich 51 der aus Eritrea und Somalia stammenden Flüchtlinge lebend aus dem Wasser.

Nach Angaben des italienischen Rundfunks war das Boot in den frühen Morgenstunden rund 60 Kilometer südlich von Lampedusa gesunken. Dem Bericht zufolge hatte die Besatzung des Kutters zuvor per Satellitentelefon die maltesischen Behörden alarmiert, als sie in der Nacht in Seenot geraten war. Da der 13 Meter lange Kahn knapp 40 Seemeilen vor der Küste von Lampedusa manövrierunfähig geworden war, starteten Rettungseinheiten von der italienischen Insel aus. Als sie versuchten, bei stürmischer See die Insassen des überfüllten Schiffs an Bord zu nehmen, sei ein Großteil der Flüchtlinge ins Meer gestürzt.

Das Boot war offenbar zwei Tage zuvor vom libyschen Hafen Zuwara aus in See gestochen. Nach IOM-Angaben befanden sich auch zahlreiche Frauen und Kinder an Bord. Wenige Stunden nach der nächtlichen Rettungsaktion übernahmen die maltesischen Behörden die Leitung der Suche nach Überlebenden an der Unglücksstelle. Ein Sturm und hoher Wellengang erschwerten die Aktion. Mit Hubschraubern und Schiffen suchten die Retter dennoch das Meer ab.

Bereits seit dem Sturz von Tunesiens Machthaber Zine el Abedine Ben Ali im Januar sind mehr als 19 000 Migranten mit Booten auf der Insel gelandet. Durch den Krieg in Libyen sind zudem viele vormals strikte Grenzkontrollen weggefallen. Machthaber Muammar al Gaddafi hat nach dem Militäreinsatz des Westens gegen seine Soldaten gedroht, Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa nicht mehr aufzuhalten.

Lampedusa liegt näher an der afrikanische Küste als am europäischen Festland. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hat die Mitgliedstaaten angesichts des Flüchtlingsdramas aufgerufen, Flüchtlinge aufzunehmen. Der anhaltende und möglicherweise anschwellende Strom von Flüchtlingen, die internationalen Schutz benötigten, gebe Anlass zu "größter Besorgnis", schrieb Malmström in einem Brief an die Innenminister der Mitgliedsländer. Die Staaten rief sie auf, im Sinne geteilter Verantwortung freiwillig Flüchtlinge aufzunehmen, und stellte dafür finanzielle Hilfe in Aussicht.

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Für den Fall eines "massiven Zustroms" Hilfebedürftiger zeigte sich Malmström bereit, eine Notfallregelung aus dem Jahr 2001 zu aktivieren, die für den Fall eines Massenansturms eine breitere Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Länder vorsieht. Zudem sprach sie sich dafür aus, die Frontex-Mission auf Lampedusa auszubauen, die Kompetenzen der Grenzschutzagentur zu stärken und die Mittelmeerländer beim Schutz ihrer Grenzen zu unterstützen.

In der kommenden Woche treffen sich die Innenminister der EU-Mitgliedstaaten in Luxemburg, um über das weitere Vorgehen in der Flüchtlingskrise zu beraten. Der Caritasverband hat inzwischen gefordert, keine Flüchtlinge mehr in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken.

(RP)