Berlin: Lafontaine will wieder an die Spitze der Linken

Berlin : Lafontaine will wieder an die Spitze der Linken

Ex-Parteichef Oskar Lafontaine hat das wochenlange Rätselraten um seine Person beendet und sich bereiterklärt, wieder den Vorsitz der Linkspartei zu übernehmen. Das berichtete gestern Abend die ARD mit Bezug auf Parteikreise der Linken. Allerdings will Lafontaine offenbar nicht in jedem Fall zur Wahl antreten, sondern knüpft seine Bereitschaft an Bedingungen. Welche, ist noch unbekannt.

Monatelang hatte die Parteiführung mit mäßigem Erfolg versucht, Personaldebatten zu unterdrücken. Nach der herben NRW-Wahlschlappe aber gibt es nun kein Halten mehr. Über Lafontaines Rückkehr war verstärkt spekuliert werden, nachdem die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch im April wegen der Erkrankung ihres Ehemanns ihren Rücktritt erklärt hatte. Seitdem amtiert ihr Co-Chef Klaus Ernst allein. Wer den weiblichen Teil der Doppelspitze der Partei übernehmen könnte, ist noch unklar.

Durch Lafontaines Entscheidung dürfte es zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz zwischen ihm und dem Fraktionsvize Dietmar Bartsch kommen, denn Klaus Ernst wird wahrscheinlich verzichten. Bartsch hatte schon vor Monaten seine Kandidatur angekündigt und wird Lafontaine nicht weichen. Sollte es auf dem Parteitag am 2. und 3. Juni in Göttingen zur Kampfkandidatur kommen, droht der Linken die Spaltung.

Die zwei Kandidaten verbindet eine schwierige Vergangenheit: Bartsch wurde 2009 vom damaligen Parteichef Lafontaine wegen des Verdachts der gezielten Intrige aus dem Amt des Bundesgeschäftsführers gedrängt. Seitdem ist ihr Verhältnis gestört.

In Göttingen wird voraussichtlich nicht nur über zwei Personen, sondern auch über zwei politische Strategien abgestimmt. Der Pragmatiker Bartsch steht für eine Öffnung zu SPD und Grünen mit dem Ziel einer Regierungsbeteiligung. Lafontaine steht für einen straffen Oppositionskurs und Abgrenzung zu anderen linken Parteien.

Der offizielle Terminplan der Linken sieht auf den ersten Blick nach Routine aus. Heute kommt im Berliner Karl-Liebknecht-Haus zunächst wie nach jeder Wahl der geschäftsführende Vorstand zusammen, um über den Wahlausgang zu beraten. Spannender dürfte eine zweite Sitzung am Nachmittag werden. Die Landesvorsitzenden beraten dann separat über das weitere Vorgehen. Lafontaine, Bartsch und Fraktionschef Gregor Gysi sollen dazu eingeladen worden sein. Es wird erwartet, dass sich Lafontaine dabei oder kurz danach erklärt.

(RP)
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