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Länder haben zweite Biontech-Lieferung erhalten

Impfungen in Deutschland : Länder haben zweite Biontech-Lieferung erhalten

Der Impfstoffhersteller Biontech hat knapp 670.000 weitere Dosen an die Länder geliefert. Spahn zeigte sich hoffnungsvoll angesichts der bevorstehenden Zulassung des Impfstoffs Moderna.

In der Debatte um den schleppenden Impfstart in Deutschland hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf unterschiedliche Rückmeldungen der Einrichtungen verwiesen. „Die Lage ist sehr unübersichtlich, wie viele Impfstoffdosen bereits verimpft wurden“, sagte Lauterbach unserer Redaktion. „Das hängt mit dem komplizierten Meldeweg aus den Pflegeheimen zusammen.“ Er pochte darauf, dass die Priorisierungen eingehalten werden müssen. „Entscheidend ist, dass kein Impfstoff verloren geht und nur die Gruppe berücksichtigt wird, die derzeit an der Reihe ist“, sagte Lauterbach.

Am Freitag meldeten mehrere Länder, dass die zweite Lieferung des Biontech-Impfstoffes eingetroffen sei. Das Land NRW bestätigte am Nachmittag den Eingang von 175.500 Impfdosen. Durch die Entscheidung der EMA, aus einer Ampulle sechs statt wie bislang fünf Dosen zuzulassen, war die Zahl der Dosen um knapp 30.000 angestiegen. In Rheinland-Pfalz kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 34.000 Dosen an, insgesamt wuchs damit die Zahl auf rund 102.000. Von den rund 560 Pflegeheimen sind derzeit etwa 300 vorbereitet für die Impfungen, in 110 Pflegeheimen ist die erste Dosis an die Bewohner und Mitarbeiter bereits verimpft worden, hieß es. Mit Stand Donnerstag sollen knapp 21.000 Menschen in Rheinland-Pfalz eine Impfung erhalten haben. Auch Niedersachsen meldete am Freitag, dass es alle 63.375 für das Land vorgesehenen Biontech-Dosen erhalten habe. Insgesamt sollten die Länder in dieser zweiten Runde knapp 668.000 Dosen bekommen.

Wann die nächste Bevölkerungsgruppe eine Impfung bekommen kann, ist noch unklar. Lauterbach wagte eine vorsichtige Prognose: „Ich rechne damit, dass wir frühestens im März oder April mit der zweiten Gruppe beginnen können“, sagte er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich unterdessen hoffnungsfroh angesichts jüngster Entwicklungen bei der Corona-Massenimpfung in Deutschland und der EU. „Das ist ein guter Tag im Kampf gegen die Pandemie“, sagte Spahn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Zuvor hatte es mehrere Schritte gegeben, die für eine etwas beschleunigte Impfkampagne sorgen könnten. So können die aktuellen Lieferungen des ersten zugelassenen Impfstoffs von Biontech/Pfizer mehr Menschen zur Verfügung stehen, weil eine Entnahme von sechs statt fünf Dosen zugelassen wurde.

Spahn sagte: „Wir können mehr Impfdosen pro Ampulle verwenden. Der zweite Impfstoffhersteller wird kommende Woche liefern. Der dritte Impfstoff steht vor der Zulassung. Uns stehen zusätzliche Impfdosen durch den neuen EU-Vertrag mit Biontech zu. Und wir bauen darauf, dass der Produktionsstandort in Marburg im Februar ans Netz geht.“ Spahn: „Das heißt: mehr Impfstoff, mehr Schutz, weniger Angriffsfläche für das Virus.“

Der zweite zugelassene Impfstoff des US-Herstellers Moderna kommt ab diesem Dienstag bei den Bundesländern an. EU-weit gibt es zudem eine neue Vereinbarung über bis zu weitere 300 Millionen Dosen Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und seines US-Partners Pfizer. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA erwartet den Antrag des Hersteller Astrazeneca auf eine bedingte Marktzulassung in der EU. Mit einer Zustimmung wird gerechnet.

Lauterbach warnte davor, eine Auswahl des Impfstoffs zu ermöglichen. „Wenn nun mehr Impfstoffe verfügbar werden, ist es schlicht nicht organisierbar, dass die Menschen zwischen den Impfstoffen wählen können“, sagte er. „Es darf keinen Streit über bessere oder schlechtere Impfstoffe geben.“ Alle von der europäischen Behörde EMA zugelassenen Impfstoffe seien sicher und wirksam. „Alle verhindern, zumindest nach derzeitigem Wissensstand, dass der Geimpfte an Covid-19 sterben kann“, sagte Lauterbach.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich warf Spahn jedoch Versäumnisse bei der Impfstoffversorgung vor. „Die Erwartung war schon gewesen, mehr Impfstoff ist relativ schnell auch vorhanden", sagt Mützenich unter Verweis auf den Aufbau zahlreicher Impfzentren in den Bundesländern und angebotene Hilfestellung der Bundeswehr. „Ich wunder mich schon ein bisschen, dass eigentlich die Zeit nicht genutzt worden ist vonseiten des Gesundheitsministeriums und letztlich der politischen Leitung in den letzten Monaten, alles dafür zu tun (...)“. Nach Mützenichs Worten hätte mehr Impfstoff eingekauft werden können.

Die Zahl der vom Robert-Koch-Institut registrierten Corona-Impfungen stieg von Donnerstag auf Freitag um 50.938 auf 476.959. Der von Biontech entwickelte Corona-Impfstoff wirkt offenbar auch gegen die neuartigen Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika. Das teilten beide Firmen am Freitag in Mainz und New York unter Verweis auf erste Studienergebnisse mit. Der Wirkstoff habe das veränderte Virus „effizient neutralisiert“.

(jd/maxi/dpa)