Mit Verlaub: Lady Gaga und das Gegenteil

Mit Verlaub: Lady Gaga und das Gegenteil

Aus der Wochenschau: Eine Politikerin hat eine Idee. Und eine Firma eine Philosophie.

Heute wieder einmal ein Resümee nach dem Muster des Sonntags-Stammtischs im Bayerischen Rundfunk: Was hat Ihnen in der Woche gefallen; was hat Sie geärgert?

Zum Verdruss. Trotz des soeben verstrichenen Welt-Frauentages gestehe ich, dass mich die Chef-Gleichstellungs-Beauftragte Kristin Rose-Möhring (SPD) mit ihrer Idee, den Text unserer Nationalhymne sprachlich zu entmannen, beinahe noch mehr amüsiert als geärgert hat. Lady Gaga made in Germany? Weiberfastnacht nach Karneval? Wäre der Vorschlag nicht im Kern tief traurig, möchte man seiner Urheberin zum Plaisier das weinselige Willy-Schneider-Schunkellied modisch bearbeitet umdichten: "Ich hab die Mutter Rhein in ihrem Bett geseh'n, ja die hat's wunderschön ..."

Zur Freude: Vor kurzem erhielt ich eine Nachricht, die zunächst ungläubiges Staunen hervorrief und ein schöner Beleg dafür ist, dass es neben gelegentlich närrischen Einfällen in der Politik die stillen, seriösen Riesen im Land gibt, die ökonomisch-gesellschaftlich so vieles schultern.

Bei einem familiengeführten Weltmarktanbieter in Sicherheitstechnik hatte ein familienfremder Prokurist durch Unterschlagung einen Millionenschaden angerichtet. Der Leitende Angestellte hatte ein Bankkonto angelegt, das mit acht Millionen Euro im Minus stand.

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Und nun die staunenswerte Wende: Da die Unternehmerfamilie ihre Geschäfte seit jeher am christlichen Leitbild orientiert und Schuldenmacherei ablehnt, beschloss der Familienrat, privates Geld zu sammeln und die Last zu tilgen.

Betriebswirte werden sagen: Bisschen gaga auch das, die Zinsen sind niedrig, warum also nicht in der Kreide stehen? Aber ist es nicht doch tröstlich, wenn im Geschäftsleben noch Philosophien herrschen, die nicht aus Oberseminaren und Profitcentern stammen, vielmehr eine Familie über Generationen hinweg leiten?

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