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30 Spendernamen auf der Liste: Kurzportraits der Geldgeber

30 Spendernamen auf der Liste : Kurzportraits der Geldgeber

Berlin (dpa). Altbundeskanzler Helmut Kohl will seiner Partei für den durch ihn entstandenen finanziellen Schaden Wiedergutmachung leisten. Er werde in Kürze 6,3 Millionen Mark aus Spenden an den CDU- Schatzmeister überweisen lassen, kündigte der frühere Parteichef am Donnerstag in Berlin an und legte zugleich eine Liste mit 30 Spendernamen vor.

dpa stellt einige der Spender in Kurzporträts vor: ARTUR BRAUNER (81) etablierte sich in den 50er Jahren als erfolgreichster Filmproduzent der Bundesrepublik. In den 60er Jahren festigte er diesen Ruf mit Großproduktionen wie "Nibelungen" und "Kampf um Rom" sowie seinem größten Erfolg "Der brave Soldat Schwejk". Später verlegte er sich auf die Herstellung von Edgar- Wallace- und Karl-May-Filmen und konzentrierte sich in den 80er Jahren auf sozialkritische Stoffe. Viele preisgekrönte Filme entstanden, die jedoch überwiegend keine kommerziellen Erfolge wurden. Brauner wurde mit vielen Filmpreisen und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er ist seit über 50 Jahren verheiratet; das Paar hat vier Kinder. ERNST J. CRAMER (87), der Vorsitzende der Axel Springer Stiftung, gehört zu den Publizisten, die sich engagiert für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden einsetzen. Nach der Pogromnacht 1938 wurde der Augsburger in das KZ Buchenwald verschleppt, kam 1939 frei und durfte in die USA auswandern. Als Presseoffizier der US-Armee kehrte er 1945 nach Deutschland zurück. Er wurde stellvertretender Chefredakteur der "Neuen Zeitung". 1958 holte ihn der Berliner Verleger Axel Springer in seinen Verlag. Cramer wurde zu einem seiner engsten Vertrauten und Weggefährten. Er war unter anderem Herausgeber der "Welt am Sonntag" und bis zum vergangenen Sommer stellvertretender Vorsitzender der Aufsichtsrates. FELICITAS EGERLAND ist die Geschäftsführerin des Osnabrücker Unternehmens Egerland Automobillogistik GmbH&Co KG. Das Unternehmen ist in Europa einer der größten Fahrzeugtransporteure. Zahlreiche Hersteller lassen ihre Neuwagen auf den Lastern von Egerland zu Händlern oder anderen Zielorten transportieren. USCHI GLAS (56) hatte schon im Karl-May-Film "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" eine Hauptrolle gespielt, bevor sie mit dem Film "Zur Sache, Schätzchen" 1968 den Durchbruch erzielte und ihr prägendes Image erhielt. Neben weiteren Publikumserfolgen im Film kamen Theater- und Fernsehauftritte. Uschi Glas ist seit Jahren in TV-Serien auf dem Bildschirm präsent, häufig mit ihrem Dauerpartner Elmar Wepper. Zu ihren Erfolgen zählen die Serien "Unsere schönsten Jahre" und "Zwei Münchner in Hamburg". Sie profilierte sich auch als Drehbuchautorin und schrieb sich Hauptrollen auf den Leib, so in "Tierärztin Christine" und "Anna Maria - Eine Frau geht ihren Weg". Aus ihrer politischen Nähe zur CSU machte sie nie ein Geheimnis. Uschi Glas ist verheiratet und hat drei Kinder. DIETER THOMAS HECK (62) brachte es vom Autoverkäufer zu einem der bekanntesten deutschen TV-Moderatoren. Der Schnellredner präsentierte erstmals 1969 in seinem Stammsender ZDF seine "Hitparade". Heute moderiert er noch "Melodien für Millionen" und die "Goldene Stimmgabel". Die Präsentation der Sendung "Das große Los", die der ehemaligen "Aktion Sorgenkind" zu Gute kam, legte Heck im Februar 2000 nieder. Viele seiner Sendungen produziert der gewiefte Geschäftsmann selbst. Der gebürtige Flensburger lebt mit seiner Frau Ragnhild und drei Kindern in einem Schloss bei Baden-Baden. KARL-HEINZ JUREIT (59) aus Frankfurt ist von Beruf Kaufmann. Er handelt vorwiegend mit Kunst und hat eine eigene Firma. Jureit ist kein CDU-Mitglied - nach eigener Aussage nicht einmal CDU-Wähler. Er wollte die "Wiedergutmachung" Kohls mit 10 000 Mark unterstützen, "weil ich der Meinung bin, er hat für Deutschland in diesem Jahrhundert mit am Meisten getan". Jureit sagte, er habe ein gewisses Verständnis dafür, dass Kohl sein Ehrenwort gegenüber den früheren Spendern halten wolle. Außerdem habe es ihm gefallen, wie sich Hannelore Kohl über all die Jahre verhalten habe. LEO KIRCH (73), der Münchner Medienmagnat, hat in mehr als 40 Jahren einen der größten europäischen Film- und Fernsehkonzerne aufgebaut. Anfang 1999 ordnete der Firmenchef, der sich bescheiden als "Filmhändler" bezeichnet, sein weit verzweigtes Imperium neu, um den Einstieg von finanzkräftigen Partnern und einen Börsengang für seine Kerngruppe zu ermöglichen. Nach wie vor hält der Kohl-Freund alle entscheidenden Fäden selbst in der Hand. HEINER LAUTERBACH (46), wurde mit der Rolle des eifersüchtigen Ehemannes in Doris Dörries Filmkomödie "Männer" 1985 über Nacht zum Star. Der Sohn eines wohlhabenden Kölner Sanitärunternehmers widersetzte sich allen Versuchen seines Vaters, ihn zum Nachfolger auszubilden und wurde stattdessen Schauspieler. Krimifans kennen ihn als Kommissar Thomas Dorn aus der Serie "Eurocops" sowie als Fahnder "Faust" aus dem ZDF. Mit Mario Adorf war Lauterbach 1996 in Dieter Wedels fünfteiligem TV-Spielfilm "Der Schattenmann" zu sehen. 1988 wurde Sohn Oskar geboren, der bei der Mutter Katja Flint aufwächst. HELMUT MAUCHER (72) ist CDU-Mitglied und gilt seit längerem als Berater Kohls. Schon als junger Mann kam er zur Deutschen Nestle, in den 60er und 70er Jahren stieg er im Konzern auf, bis er 1980 Generaldirektor in der Zentrale wurde. Mit Maucher wurde erstmals ein Deutscher Chef des Schweizer Konzerns. 1997 gab er die Konzernführung ab, blieb jedoch Präsident des Verwaltungsrats. Aufsehen außerhalb des Fachpublikums erregte er mit dem Wort "Wohlstandsmüll", mit dem er arbeitsunwillige wie arbeitsunfähige und kranke Menschen beschrieb. Das Institut für deutsche Literatur und Sprache wählte es zum "Unwort des Jahres" 1997. ERICH SCHUMANN (69) ist einer von zwei Geschäftsführern des viertgrößten deutschen Medienunternehmens, der WAZ-Gruppe in Essen. Schumann, einst als Anwalt für die Bundes-SPD tätig, ist seit Jahrzehnten einer der starken Männer des Verlages. Er baute mit Günter Grotkamp den Zeitungsverlag unter strenger wirtschaftlicher Führung zum Konzern mit einem Umsatz von derzeit rund vier Milliarden Mark aus. Schumann, von 1991 bis 1996 Chef der Deutschen Sporthilfe, führt jetzt den Konzern zusammen mit Bernd Nacke. Die WAZ ist unter anderem an Zeitungen in Thüringen sowie Österreich und südosteuropäischen Ländern beteiligt. Die WAZ-Gruppe ist außerdem über eine Tochter zusammen mit der Bertelsmann AG Gesellschafter an der Luxemburger CLT-Ufa, der größten Rundfunkholding Europas. ARTHUR GEORGE WEIDENFELD (80) flüchtete beim "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland nach England. Chaim Weizmann holte ihn 1949 bei der Gründung des Staates Israel als Berater zu sich. Er wurde 1976 in London von der Regierung Harold Wilson zum Lord auf Lebenszeit ernannt. Er arbeitete eng mit dem inzwischen verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, zusammen und nennt Kohl seinen Freund. Seinen Gesprächen mit Kohl ist die Initiative zu verdanken, dass sich über die Bertelsmann-Stiftung zweimal jährlich führende Persönlichkeiten zu Politforen treffen. Weidenfeld ist Buchverleger, Kunstmäzen und Förderer des katholisch- jüdischen Dialogs.

(RPO Archiv)