Brüssel: Kruzifixe in Schulen erlaubt

Brüssel: Kruzifixe in Schulen erlaubt

Kreuze in Klassenzimmern verstoßen nicht gegen die Religionsfreiheit. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gestern entschieden. Es lasse sich nicht beweisen, dass ein Kruzifix an der Wand Einfluss auf die Schüler habe – auch wenn es in erster Linie ein religiöses Symbol sei, befanden die Richter. Die Deutsche Bischofskonferenz und die CSU begrüßten die Entscheidung. Die Urteile des Gerichts beziehen sich zwar zunächst auf den Einzelfall – doch alle 47 Länder des Europarats haben sich verpflichtet, sie zu respektieren.

Das Urteil markiert eine überraschende Kehrtwende. Denn im November 2009 hatte eine andere Kammer des Gerichtshofes Kruzifixe an staatlichen italienischen Schulen noch als Verstoß gegen die Grundrechte eingestuft und Klägerin Soile Lautsi Schadenersatz zugesprochen. Die Italienerin wollte nicht akzeptieren, dass ihre beiden Söhne unter einem Kreuz an der Wand unterrichtet werden. Sie sah dadurch ihr Recht auf Erziehung nach eigener religiöser und weltanschaulicher Überzeugung verletzt.

Der Menschenrechtsgerichtshof stellte gestern klar, er habe im Prinzip die Entscheidungen der Staaten auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts zu respektieren. Das gelte auch für den Stellenwert, den sie der Religion beimessen, "sofern diese Entscheidungen zu keiner Form der Indoktrinierung führen". Die "dominante Sichtbarkeit" der christlichen "Mehrheitsreligion" in der schulischen Umgebung Italiens sei jedoch keine Indoktrinierung. Denn ein an der Wand angebrachtes Kruzifix müsse als "ein seinem Wesen nach passives Symbol" betrachtet werden.

  • Kreuz in Behörden : CSU verteidigt Kruzifix-Pläne gegen "Religionsfeinde"

Der Vatikan begrüßte das Urteil als "historisch". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte, der Gerichtshof habe "Sensibilität für die Bedeutung des Kreuzes" bewiesen. Es stehe "für Frieden, Humanität, Solidarität und Menschenrechte, die auch für die säkulare Demokratie unentbehrlich sind". CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nannte das Urteil eine "sehr gute Entscheidung für unsere christlichen Wurzeln".

(RP)
Mehr von RP ONLINE