Düsseldorf: Kritik an Fukushima-Betreiber wächst

Düsseldorf: Kritik an Fukushima-Betreiber wächst

Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima, das Unternehmen Tepco, hat bereits vor mehr als einer Woche gewusst, dass es zumindest in Block 2 radioaktiv belastetes Wasser gibt. Die Arbeiter wurden nicht informiert. Immer mehr Schwangere verlassen die Gegend um das Unglücks-Kraftwerk.

Radioaktiv belastetes Wasser in den Turbinenhäusern der Blöcke 1, 2, 3 und 4 des japanischen Kernkraftwerks Fukushima verhindert, dass die Arbeiter die Kühlsysteme der Reaktoren reparieren oder sich auf die Suche nach den Strahlungslecks machen können. So wurde im Turbinenhaus von Block 2 in dem bis zu einem Meter hoch stehenden Wasser eine Dosisleistung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das heißt, in nur 15 Minuten würden Arbeiter die zulässige Höchstdosis von 250 Millisievert aufnehmen. Unter anderem wurde in dem Wasser das radioaktive Jod-134 entdeckt, das bereits nach weniger als neun Stunden fast vollständig zerfallen ist und darum nur "frisch" aus dem Reaktor stammen kann.

Anfangs sagte der Kraftwerkbetreiber Tepco zudem, dass das Jod-134 im Wasser von Block 2 so sehr strahle, dass etwa zehn Millionen Mal mehr radioaktive Zerfälle pro Liter gezählt worden seien, als normal ist. Später nahm Tepco diese Aussage zurück, weil es sich um einen Fehler gehandelt habe.

Allerdings wird mit dem Kühlwasser erneut Borsäure in Reaktor 2 gepumpt – um jede weitere Kernreaktion zu unterbinden, die zu so hohen Werten führen könnte. Anscheinend traut man bei Tepco der Situation selbst nicht ganz. Die Kritik an dem Unternehmen wird dabei immer lauter. Denn bereits am 18. März hatte Tepco von hohen Strahlenwerten in Block 2 gewusst. Aufgrund einer "Übermittlungspanne", so Tepco, hätte diese Information die Arbeiter vor Ort nicht erreicht. Das könnte dazu beigetragen haben, dass sechs Tage später in Block 3 zwei Arbeiter verstrahlt wurden. Mittlerweile steht das Wasser dort 1,5 Meter tief; die Dosisleistung erreicht dort 750 Millisievert pro Stunde. In Block 1 dagegen wurden im 40 Zentimeter tiefen Wasser 60 Millisievert pro Stunde gemessen. Woher die Strahlung kommt, ist noch unklar. Vermutungen gehen in Richtung der Dampfleitung, die den Reaktor mit dem Turbinenhaus verbindet. Doch solange die Strahlenwerte so hoch sind, kann sich kein Mitarbeiter dem Ort des Lekcs nähern, um das zu bestätigen. Die katastrophale Möglichkeit, dass der Reaktordruckbehälter und die Stahlhülle als letzte Barriere beschädigt sind, glaubt Tepco ausschließen zu können. Tatsächlich hat sich die Lage in den Meilern seit zwei Tagen nicht verschlechtert, was bereits als Erfolg gewertet wird – und gegen ein Leck spricht.

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Mittlerweile wird Süßwasser in die Reaktoren 1, 2 und 3 gepumpt. Die Abklingbecken werden indes noch mit Meerwasser gekühlt, das beim Verdampfen Salz hinterlässt und so eine Kruste über die Brennstäbe legen kann – die eine Kühlung verhindert. Süßwasser soll das verhindern. Bis dahin möchte man so wenig Salzwasser wie möglich pumpen. Die Folge: Seit Tagen bilden sich Dampfwolken, weil es in den Becken zu warm wird.

Mittlerweile macht die japanische Behörde für Nuklearsicherheit erste Angaben dazu, inwieweit die gesamte Region betroffen ist. So hätten die Bewohnter von Iitate, 40 Kilometer nordwestlich von Fukushima, bereits eine Dosis von 3,7 Millisievert aufgenommen. Der Grenzwert liegt bei einem Millisievert pro Jahr. Die Lage sei ernster als 1979 beim Zwischenfall im US-Kernkraftwerk Three Mile Island.

Die Angst vor der Strahlung führt dazu, dass immer mehr Schwangere das Gebiet um das Kernkraftwerk Fukushima und die Metropolregion Tokio verlassen. Japanische Zeitungen berichten bislang zwar nur von 158 Frauen, die in der Präfektur Osaka angekommen sind. Doch die Behörden befürchten, dass die Zahl schnell auf 10 000 steigen wird. Möglichkeiten, sie unterzubringen, seien vorhanden, sagte der Gouverneur von Osaka, Toru Hashimoto. Doch in der Präfektur gebe es zu wenig Frauenärzte und Hebammen, um sich um alle Schwangeren zu kümmern.

(RP)
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