Krim-Krise: Von Entspannung bis Eskalation – drei Szenarien

Analyse : Von Entspannung bis Eskalation – drei Szenarien der Krise

Vieles deutet darauf hin, dass Russland auf längere Zeit aus dem Klub der wichtigsten Industrienationen ausgeschlossen bleibt. Die Politiker in Moskau geben sich offiziell ungerührt von der Isolation. Die EU will nun alles versuchen, einen Wirtschaftskrieg zu vermeiden. Wie geht es weiter?

Künftig treffen sich die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Kanada (G 7) ohne den russischen Premier Wladimir Putin. Damit verschärfen die G 7 die Strafmaßnahmen gegen Russland auf politischer Ebene. Moskau reagierte kühl, nannte die Beschlüsse "kontraproduktiv". Doch wie könnte es jetzt weitergehen? Drei mögliche Szenarien: Entspannung Zwar zeigt sich Moskau offiziell ungerührt von den bisherigen Strafmaßnahmen.

Dennoch gibt es vorsichtige Signale der Entspannung. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach am Rande des Atomgipfels in Den Haag erstmals seit Beginn der Krise mit seinem ukrainischen Kollegen Andrij Deschtschizia. Angeblich sicherte er Kiew zu, in der Ost- und Südukraine keine Gewalt anzuwenden. Putins Sprecher teilte zudem mit, Russland sei bereit, seine Kontakte mit den G 7-Staaten auf allen Ebenen weiterzuführen.

Das könnte bedeuten: Moskau bereitet den geordneten Rückzug vor, gibt sich mit der Krim zufrieden, zieht seine Truppen aus der ukrainischen Grenzregion ab und tritt in Dialog mit der ukrainischen Regierung. Eiszeit Zwischen dem Westen und Russland könnte eine lange Eiszeit anbrechen. Gespräche mit Russland werden im Rahmen der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer weitergeführt.

Harte Wirtschaftssanktionen werden aber nicht verhängt — auch, weil man Moskau nicht in die Arme Chinas treiben will. Die EU und die USA unterstützen den pro-europäischen Wandel in der Ukraine und helfen dem Pleite-Staat mit Milliardenpaketen auf die Beine. Nach dem Assoziierungsabkommen mit Kiew unterzeichnet die EU auch ein Partnerschaftsabkommen mit der Ex-Sowjetrepublik Moldau. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte dazu gestern: "Allen Nato-Mitgliedern können wir versichern, dass wir bereit sind für eine effektive Verteidigung.

" Eskalation Die USA und die EU lassen es auf einen Handelskrieg ankommen und verhängen harte Wirtschaftssanktionen. Moskaus Wirtschaft würde daraufhin in die Knie gehen, weil die Gas-Milliarden aus dem Westen fehlen. Rund 49 Milliarden Euro machen die Gas-Einnahmen für Russland aus, 70 Prozent der Exporte landen in der EU. Der Westen ginge als Sieger aus dem Machtkampf mit Moskau hervor.

Doch ganz so wird es nicht kommen. Das Hamburger Forschungsbüro Energycomment kommt zu dem Schluss, dass Europa einem kompletten Gas-Lieferstopp Moskaus nicht länger als einige Tage standhielte. Dennoch wäre die EU von einem Wirtschaftskrieg weit mehr betroffen als die USA. Das Handelsvolumen zwischen der EU und Russland ist rund zehnmal so hoch wie das zwischen den USA und Russland. Friert Russland westliche Investments ein, gingen Jobs verloren — und die Krise könnte zurückkehren.

(RP)
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