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Krankenhäuser, Ärzte und Verkehrsbetriebe im Krisenmodus

Coronavirus in Deutschland : Krankenhäuser, Ärzte und Verkehrsbetriebe im Krisenmodus

Kliniken sollen ab Montag planbare Operationen aufschieben. Die Bahn will Gutscheine für Tickets ausgeben, den Betrieb aber nicht einschränken.

Die Bundesregierung hat angesichts der schnellen Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland Medizingüter im Wert von 163 Millionen Euro eingekauft. Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur wurden unter Federführung des Beschaffungsamtes der Bundeswehr 23 Verträge mit deutschen und internationalen Lieferanten geschlossen. In einem ersten Schritt kaufte die Behörde rund 300.000 Atemmasken und Schutzbrillen, die für das deutsche Gesundheitssystem gedacht sind. Der Lübecker Medizintechnikkonzern Drägerwerk berichtete teilt mit, dass die Bundesregierung 10.000 Beatmungsgeräte bestellt habe.

Die Bundesregierung ist nach Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewillt, alles zu tun, was notwendig sei, damit Deutschland durch diese Krise möglichst gut durchkomme. Man werde "so agieren, wie wir es möglichst kraftvoll tun können", sagte sie am Freitag in Berlin. Ab kommendem Montag sollen alle Krankenhäuser auf unbestimmte Zeit alle planbaren Operationen verschieben oder aussetzen, sofern das medizinisch vertretbar ist. Das hatten Bund und Länder am Donnerstagabend beschlossen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sicherte am Freitag die schnelle Umsetzung zu, dringt dabei aber auf unbürokratische Hilfe des Staates. „Damit machen die Krankenhäuser notwendige Kapazitäten für die Versorgung der von Covid-19 schwer betroffenen Patienten und aller weiteren akut behandlungsbedürftigen Patientinnen und Patienten verfügbar“, sagte Gerald Gaß, Präsident des Verbandes. Finanzielle Hilfen müssten unbürokratisch und schnell die Liquidität der Krankenhäuser sichern. Gaß sagte auf Anfrage, dass es rund 28.000 Intensivbetten gebe, davon rund 15.000 bis 20.000 mit Beatmungsmöglichkeit. „Außerdem richten wir mit Partnern eine Plattform ein, um freie Kapazitäten zu melden und transparent zu machen“, sagte Gaß.

Die Hausärzte forderten angesichts der steigenden Patientenzahlen durch das Corona-Virus Lockerungen der Krankschreibungs-Regeln. „Es ist eine große Erleichterung für die Arbeit der Hausärztinnen und Hausärzte, dass nach einer Vereinbarung zwischen dem Spitzenverband der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Patienten bis zu sieben Tage krankgeschrieben werden können, ohne dass sie dafür in die Praxis kommen müssen“, sagte der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. „Es wäre noch besser, diese Möglichkeit auf 14 Tage auszudehnen, dann könnten Patienten mit Verdacht auf Corona-Virus auf unbürokratische Art und Weise so lange zu Hause bleiben, bis sie keine Ansteckungsgefahr mehr darstellen“, forderte Weigeldt.  In einer Phase wie zurzeit mit dem Corona-Virus sehe man, wie wichtig es sei, die Ärzte möglichst von Bürokratie zu entlasten. „Das wäre auch in ruhigeren Zeiten hilfreich und würde die Versorgung unser Patienten deutlich vereinfachen“, erklärte Weigeldt.

Die saarländische Wirtschaftsministerin und stellvertretende SPD-Bundeschefin, Anke Rehlinger, plädierte für gesetzliche Änderungen, um Eltern die Betreuung ihrer gesunden Kinder zu erleichtern, wenn die künftig nicht mehr in Schulen oder Kindertagesstätten dürfen. „Im schlimmsten Fall müssen Eltern dafür unbezahlten Urlaub nehmen, wenn der Arbeitgeber keine kulanten Lösungen wie Home-Office oder Überstundenabbau anbietet“, sagte Rehlinger. Hier brauche es eine schnelle und unbürokratische Lösung für die Eltern. „Eine Möglichkeit könnte sein, die Regelung zu erweitern, mit der ich schon heute zehn Tage mein Kind betreuen kann, wenn es krank ist. Das könnte auf staatlich angeordnete Schulschließungen erweitert und die mögliche Dauer verlängert werden“ sagte Rehlinger. „Wir können ja auch nicht wollen, dass Oma und Opa betreuen müssen, denn die gehören zur besonders gefährdeten Gruppe.“ Weil damit die Lohnfortzahlung zulasten der Krankenkassen ginge, müssten die Kosten aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen werden.

Unterdessen hat die Bahn angekündigt, den Betrieb im Fernverkehr und in Abstimmung mit den regionalen Verkehrsverbünden auch im Nahverkehr uneingeschränkt aufrecht zu halten. Entsprechend äußerte sich Bahnchef Richard Lutz in Berlin. Zudem will der Konzern kulanter mit Stornierungen umgehen. Kunden, die aufgrund des Coronavirus ihre Reise nicht mehr antreten möchten, können ab Anfang kommender Woche ihre gebuchten Tickets kostenfrei in einen Reisegutschein im Wert ihres Tickets umwandeln lassen. Das gilt für alle „Super Sparpreise“ und „Sparpreise“ für Reisen bis einschließlich 30. April. Die betroffenen Kunden können sich dazu an den Kundenservice und die Verkaufsstellen der Bahn wenden. Reisende mit einem „Flexpreis“ oder „Flexpreis Business“ haben unabhängig von den aktuellen Sonderkulanzen die Möglichkeit, ihre Fahrkarten kostenlos zu stornieren. Diese Kunden werden gebeten, die üblichen Stornierungswege zu nutzen. Kunden, die aufgrund des Coronavirus ihre Reise innerhalb Deutschlands verschieben möchten, können das gebuchte Ticket bis zum 30. Juni 2020 flexibel nutzen. Bei „Super Sparpreisen“ und „Sparpreisen“ hebt die Bahn die Zugbindung auf.

Damit die Logistik zur Versorgung von Supermärkten, Apotheken und anderen Geschäften reibungslos funktioniert, haben bereits mehrere Länder Ausnahmen vom Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen erlassen. Demnach gelten Ausnahmen beispielsweise schon in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

(jd/qua/dpa)