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F. Farthmann: "Kraft bedient das Klischee der Ruhrgebietsfrau"

F. Farthmann : "Kraft bedient das Klischee der Ruhrgebietsfrau"

Herr Farthmann, Sie waren bis 2005 SPD-Fraktionschef im Landtag und kennen Frau Kraft gut. Sie ist sehr populär. Woran liegt das?

Herr Farthmann, Sie waren bis 2005 SPD-Fraktionschef im Landtag und kennen Frau Kraft gut. Sie ist sehr populär. Woran liegt das?

Farthmann Die Leute finden sie sympathisch, weil sie sich volksnah und unkompliziert gibt. So gesehen, bedient sie das Klischee der typischen Ruhrgebietsfrau, obwohl es das Ruhrgebiet so, wie ich es mal geliebt habe, nicht mehr gibt.

Was sagen Sie zu der Verschuldung?

Farthmann Die exorbitante Verschuldung hat bereits unter Johannes Rau begonnen. Ich habe mich schon damals gewundert, dass die Öffentlichkeit uns Sozialdemokraten das hat durchgehen lassen.

Sehen Sie ein Zeichen der Umkehr?

Farthmann Nein, leider bisher nicht. Und die Landesregierung verliert dadurch in zunehmendem Maße ihre Handlungsfähigkeit.

Für Gäste gibt es nur noch Wasser ...

Farthmann Das ist allenfalls Symbolpolitik und bringt in der Sache nullkommanull.

Bei den Beamtenbezügen lag die Regierung Kraft arg daneben, oder?

Farthmann Der Versuch, sich bei den besserverdienenden Beamten Entlastung zu verschaffen, ist gescheitert. Wie man ja auch leider sagen muss, dass die Landesregierung beim Verfassungsgerichtshof kein Bein auf die Erde kriegt.

Wo müsste denn gespart werden?

Farthmann Das Land muss mit weniger Personal auskommen. Derzeit weiß ich wirklich nicht, wie NRW die Schuldenbremse schaffen will.

Frau Kraft wird heute wieder ein sehr gutes Ergebnis bekommen, oder?

Farthmann Damit rechne ich auch. Es stärkt die Regierungsfähigkeit, wenn eine Partei ihre Führung mit einer überzeugenden Mehrheit ausstattet. Damit sind solche Abstimmungen allerdings auch immer ein bisschen taktisch bestimmt.

DETLEV HÜWEL STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)