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Kopenhagen macht die bitteren Erfahrungen seiner Nachbarn

Kopenhagen : Dänemark macht die bitteren Erfahrungen seiner Nachbarn

Aus den dänischen Reaktionen auf die Anschläge von Kopenhagen sprach neben Entsetzen und Schmerz auch Überraschung - darüber, dass der Terror nun Dänemark erreicht hat. Für solche Gewalt gebe es im Land keine Tradition, sagte etwa der frühere Außenminister Holger Nielsen. Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt sagte, der Attentäter habe den dänischen "Glauben an die Freiheit" zerstören wollen. Und der Kopenhagener Rabbi Bent Lexner gab ganz unumwunden zu: "Wir hätten nie gedacht, dass so etwas in Dänemark geschehen könnte."

Dänemark holt bittere Erfahrungen der anderen skandinavischen Länder nach: Das Massaker von Anders Behring Breivik 2011 auf der Insel Utøya an sozialdemokratischen Jugendlichen traf Norwegen ins Mark. In Schweden war es der Mord an der sozialdemokratischen Außenministerin Anna Lindh, die 2003 in einem Stockholmer Kaufhaus erstochen wurde. 2010 forderte das Selbstmordattentat eines irakischstämmigen Schweden mitten in der Hauptstadt nur durch Zufall keine weiteren Opfer.

So unterschiedlich die Motive der Mörder jeweils waren, eins verbindet sie: Ihre Opfer standen jeweils für das, was im Rest Europas gern als typisch skandinavisch wahrgenommen wird - eine offene, multikulturelle Gesellschaft in Dänemark, ein sozialdemokratisch dominiertes Gesellschaftsmodell in Schweden und Norwegen, das wirtschaftlichen Erfolg mit einem massiven Ausbau des Sozialstaats zu verbinden versuchte.

Dass der alte Konsens zerbrochen ist, zeigt die Etablierung der Rechtspopulisten: In Norwegen erreichte die "Fortschrittspartei" 2013 ein Sechstel der Stimmen, in Schweden holten 2014 die "Schwedendemokraten" 13 Prozent. Erfolge feiert seit Jahren auch die "Volkspartei" in Dänemark - sie stützte von 2001 bis 2011 sogar die liberal-konservative Minderheitsregierung.

(fvo)