Kommentar zu Air Berlin: Lieber eine saubere Pleite

Insolvente Fluggesellschaft : Lieber eine saubere Pleite von Air Berlin

Was wird aus Air Berlin? Die Entscheidung soll erst Mitte Oktober fallen, nach weiteren Verhandlungen mit der Lufthansa und anderen Fluggesellschaften. Das Gezerre hätte man sich ersparen können. Aber so verlängert der Staat das Leiden von Mitarbeitern und Kunden.

Beschäftigte und Passagiere von Air Berlin müssen viel ertragen: Die einen bangen um ihre Jobs, die anderen leiden unter Verspätungen, Ausfällen, Chaos. Zugleich pokern die Bieter mit allen Tricks. Hans Rudolf Wöhrl bietet 500 Millionen Euro, hat aber nur 50 Millionen. Utz Claassen fiel bisher mehr mit Krach als mit Erfolgen auf. Die Lufthansa lässt sich schamlos von der Bundesregierung unterstützen.

Nun will die Lufthansa also nicht mehr für die Langstrecke bieten, wichtiger ist ihr ohnehin die Kurzstrecke. Zum Poker passt, dass die Gläubiger tagten, aber die endgültige Entscheidung verschoben. Man will die Wahl nicht durch Jobabbau-Zahlen stören.

Das Gezerre hätte man sich erspart, wenn die Regierung Air Berlin im August in die Insolvenz hätte gehen lassen statt per Staatskredit aufzufangen. (Zumal sie Handwerker auch nicht vor der Pleite bewahrt.) Dann wären die Flugrechte an den nationalen Slot-Koordinator gegangen, der sie breit verteilt hätte. Die Urlauber hätte man schon nach Hause bekommen. Beschäftigte würden sich bereits um neue Jobs kümmern.

Erneut zeigt sich, was man seit LTU und Holzmann weiß: Staatshilfe rettet keine kranken Unternehmen, sondern verlängert nur das Leiden.

(anh)
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