Königlicher Handkuss für First Lady

Königlicher Handkuss für First Lady

Der Urlaub der amerikanischen Präsidentengattin Michelle Obama wird in den USA scharf kritisiert. Für den Präsidenten kommen Berichte vom Jet-Set-Leben seiner Frau äußerst ungelegen: Er steht im Wahlkampf, und seine Umfragewerte sinken.

Entspannter Sommerglamour auf Mallorca: Amerikas First Lady Michelle Obama (46) speiste gestern zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter Sasha an der königlichen Mittagstafel zusammen mit der spanischen Königsfamilie. König Juan Carlos hatte die Gäste aus Amerika im Marivent-Palast empfangen. Für Michelle Obama gab es zur Begrüßung einen Handkuss. Aus Amerika hagelte es dagegen schon seit Tagen hämische Kommentare zu einer Reise, die Ehemann Barack Obama in ihrer Wirkung gar nicht ins Konzept passt. Im November stehen Kongresswahlen an. Obamas Demokraten müssen mit herben Verlusten rechnen. Die Umfragewerte für den Mann im Weißen Haus sind dramatisch gesunken. Nur 41 Prozent der Bürger sind mit ihrem Präsidenten noch zufrieden. So sagen es die Meinungsforscher.

Da sorgt die fünftägige Reise Michelle Obamas in den Prominentenbadeort Marbella an der Costa del Sol für Aufregung. Berichtet wird von der Luxusherberge Villa Padierna, in der eine Nacht bis zu 6500 Dollar kosten kann. Erzählt wird von Shoppingtouren, von großem Sicherheitsaufwand und einem Jet-Set-Auftreten, das einer First Lady schlecht zu Gesicht stehe.

Es sind vor allem oppositionsnahe Medien, die sich in Wahlkampfzeiten genüsslich der Reise annehmen. Da wird berichtet, Michelle Obama habe 40 Freunde an die Costa del Sol mitgenommen. Die "New York Times" goss dann ein wenig Wahrheit in das Nachrichtengebräu: Es seien zwei Freunde dabei und vier für Tochter Sasha.

Auch der Vorwurf, die First Lady zeige feudale Neigungen und beanspruche einen großen Mitarbeiterstab aus dem Weißen Haus und zahlreiche Agenten des Secret Service auf Kosten des Steuerzahlers, sorgen für Ärger. Das Magazin "Newsweek" hingegen verweist darauf, dass die Sicherheitskosten nicht höher zu Buche schlügen als bei anderen Reisen der Präsidentenfamilie.

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Doch auch das Weiße Haus sah sich genötigt, Stellung zu beziehen. "Die First Lady ist auf einer privaten Reise. Sie ist eine private Bürgerin und die Mutter einer Tochter auf einer privaten Reise. Und ich glaube, dabei belasse ich es", sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs. Und die Kosten? Alle Rechnungen des Hotels und für Verpflegung begleiche Michelle Obama aus eigener Tasche. Auch die Kosten für den Flug trage sie selbst, die Freunde mussten mit einer Linienmaschine fliegen. In der Zeitung "New York Daily News" heißt es, der Flug mit der "Air Force Two" nach Spanien koste schon 148 000 Dollar.

Die teure Reise und das laute Echo darauf haben die Wahlstrategen Obamas verunsichert. Auch wenn die First Lady die Kosten zum Teil aus eigener Tasche begleicht, bleibt es eine Luxusreise in Zeiten, in denen die Arbeitslosenquote für US-Verhältnisse bei sehr hohen 9,5 Prozent liegt. Viele Amerikaner fürchten trotz des 787 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpakets den Rückfall in eine Rezession. DasStaatsdefizit lässt Obama, der vergangenen Mittwoch 49 Jahre alt wurde, wenig Gestaltungsräume.

Außerdem drücken den Präsidenten personelle Probleme. Seine Top-Wirtschaftsberaterin Christina Romer hat verkündet, sie werde Anfang September ihr Amt als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater des Präsidenten niederlegen und zurück an die Universität in Berkley gehen. Vor Kurzem war auch Obamas Haushaltschef Peter Orszag zurückgetreten.

Die wirtschaftlichen Einbußen der größten Ölpest aller Zeiten im Golf von Mexiko sind für die Menschen noch gar nicht absehbar. Ist Obama bei ihnen noch glaubwürdig? Vor zwei Jahren im Wahlkampf ging das demokratische Lager auf die hohen Garderobekosten der republikanischen Vize-Kandidatin Sarah Palin ein. Michelle Obama trug ein Kleid von der Stange. Für sie, die sich damals volksnah gab, wurde in Spanien von der Polizei eigens ein eigener Strandabschnitt gesperrt – zum ungestörten Baden.

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