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Klaus Wowereits lange Götterdämmerung

Machtkampf um Nachfolge : Wowereits lange Götterdämmerung

Nach 15 Jahren im Amt wird Berlins Regierender Bürgermeister 2016 nicht mehr antreten. In der Berliner SPD ist der Machtkampf um seine Nachfolge nicht entschieden. Parteichef Jan Stöß ist nach einem schlechten Wahlergebnis geschwächt.

Ginge es allein nach dem Applaus für eine Parteitagsrede, könnte Klaus Wowereit wohl ewig Regierender Bürgermeister von Berlin bleiben. Wowereit bekam den mit Abstand stürmischsten Beifall für seine Rede auf dem Berliner SPD-Parteitag am Wochenende, mit der er einen Senatsantrag zur Teil-Bebauung des Tempelhofer Feldes begründete, wo einst die Rosinenbomber der Amerikaner gelandet waren. Am 25. Mai entscheiden die Berliner per Volksentscheid, ob auf einem Teil des freien Feldes bezahlbare Wohnungen gebaut werden dürfen, wie der Senat es will. "Wir wollen Wohnungen statt Egoismus", rief Wowereit unter Beifall.

Doch parteiintern wird nicht damit gerechnet, dass Wowereit nach 15 Jahren als Regierender Bürgermeister von Berlin 2016 noch einmal antreten wird. Noch hält er sich zwar die Entscheidung offen, erst 2015 will er bekannt geben, ob er kandidiert. Doch "Wowis" Götterdämmerung ist kaum mehr aufzuhalten, zu sehr lastet das Desaster um den Pannen-Großflughafen BER, dessen Eröffnungstermin ungewiss ist, auf den Schultern des Regierenden.

Längst tobt in der Berliner SPD ein Machtkampf um die Nachfolge Wowereits. Vorerst haben sich die beiden vielversprechendsten Erben Wowereits jedoch gegenseitig das Leben schwer gemacht: Fraktionschef Raed Saleh verzichtete vor dem Landesparteitag darauf, als Gegenkandidat des Amtsinhabers Jan Stöß für den Parteivorsitz zu kandidieren. Saleh hatte erst spät erkannt, dass die Mehrheit der Delegierten weiterhin hinter Stöß steht.

Allerdings ging dieser am Wochenende ebenfalls geschwächt aus dem Parteitag hervor: Stöß erreichte bei seiner Wiederwahl nur enttäuschende 69 Prozent der Stimmen. Als mögliche lachende Dritte im Rennen um die Wowereit-Nachfolge könnten nun Stadtentwicklungssenator Michael Müller oder Sozialsenatorin Dilek Kolat die besseren Karten haben.

Dass eine Nachfolgedebatte gut zwei Jahre vor der nächsten Wahl schon mit so viel Hitzigkeit geführt wird, hat auch etwas damit zu tun, dass Wowereits Stern seit 2011 sinkt. Als BER-Aufsichtsratschef gab er eine klägliche Figur ab. Seine Umfragewerte hängen im Tief. Während bei der letzten Wahl die SPD noch auf 28 Prozent kam und die CDU nur 23 Prozent erhielt, haben sich die Umfrageergebnisse der beiden Parteien in der Regierungskoalition bis heute umgedreht.

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Die Affäre um Kulturstaatssekretär André Schmitz haben die Berliner ihrem Regierenden übel genommen. Der Wowereit-Intimus musste zurücktreten, als seine steuerlichen Vergehen aus der Vergangenheit bekannt wurden. Wowereit war seit Langem über den Fall informiert.

Nur 34 Prozent der Berliner wünschen sich derzeit, dass Wowereit noch einmal 2016 antritt. Aus Kreisen der SPD ist zu hören, Wowereit werde nicht noch einmal kandidieren. Allerdings könne er auch einstecken, heißt es in seinem Umfeld.

Aktuell erlebt man in Berlin einen Regierenden, der sehr an den Wowereit von 2011 erinnert. Auch damals wurde ihm nachgesagt, er sei amtsmüde und abgehoben. Doch dann zeigte Wowereit, was in ihm steckt. Er schaffte im Straßenwahlkampf den Schulterschluss mit seinen Wählern. "Der Klaus ist ein Stier", hieß es. Einer, den man besser nicht zu früh anzählt. Im Wahlkampf gegen die Grüne Renate Künast sah es lange schlecht für ihn aus - doch am Ende übertraf er seine Konkurrentin um Längen.

(jd, mar, qua)