Masar-I-Scharif: Kirche: Afghanistan-Einsatz ist gescheitert

Masar-I-Scharif : Kirche: Afghanistan-Einsatz ist gescheitert

Die Verteidigungsministerin besucht die Bundeswehr am Hindukusch. Aus der Heimat kommt Kritik.

Die Bundesrepublik wird nach Aussage von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen trotz des Anschlags von Berlin nicht im militärischen Kampf gegen den Terror nachlassen. "Wir trauern um die Opfer, denken an die Verletzten - aber wir lassen uns jetzt nicht einschüchtern, nicht vom Hass lähmen", sagte die Ministerin auf einem Weihnachtsmarkt im Feldlager von Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans.

Die Bundeswehr hat noch rund 950 Soldaten am Hindukusch stationiert, davon knapp 800 in Masar-i-Scharif. "Wir wissen, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind", sagte von der Leyen. Sie warnte erneut vor einem zu schnellen Abzug: In Afghanistan sei "langer Atem" notwendig. "Es ist so viel erreicht worden. Das dürfen wir nicht dadurch gefährden, dass wir vorschnell abziehen."

Deutliche Kritik an der deutschen Strategie kam von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Der Afghanistan-Einsatz ist im Großen und Ganzen gescheitert", sagte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms unserer Redaktion. Seiner Meinung nach war das Engagement falsch geplant: "Man hat nicht früh genug daran gedacht, dass man einen solchen Konflikt nicht nur militärisch lösen kann. Damals hat man gedacht, man schafft Räume des Friedens durch militärisches Eingreifen, und der Rest passiert von selbst. Das hat nicht funktioniert."

Fortschritte, die etwa bei der Schulbildung erzielt worden seien, seien inzwischen wieder gefährdet, klagte Brahms - der gesellschaftliche Fortschritt sei nicht nachhaltig.

Als "problematisch" bezeichnete Brahms, der auch Schriftführer der bremischen Kirche ist, das Vorhaben des Bundes und einiger Länder, darunter Nordrhein-Westfalen, abgelehnte und straffällige Asylbewerber nach Afghanistan abzuschieben: "Ich kann nicht erkennen, dass es in Afghanistan sichere Zonen gibt, in die man abschieben könnte. Ich bezweifle auch, dass es auf längere Sicht sichere Zonen geben wird." Das deutsche Asylrecht sehe auch nicht vor, dass man ein Land in sichere und nicht sichere Zonen aufteilt, sagte Brahms.

Das gesamte Interview mit Renke Brahms unter www.rp-online.de/frieden

(heif/RP)