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Kinderbonus Corona Auszahlung: Knapp eine Million Kinder erhalten Zuschlag

Verdreifachung bei bedürftigen Familien : Knapp eine Million Kinder erhalten Zuschlag

Der Staat zahlt mittlerweile an 928.285 Kinder den sogenannten Kinderzuschlag. Er kommt Familien zugute, die ein Einkommen haben, das nicht für alle zum Leben reicht. Infolge der Corona-Pandemie war die Zahl der Anspruchsberechtigten deutlich angestiegen.

In Deutschland bekommen dreimal mehr Kinder zusätzliche Hilfe vom Staat als das noch am Anfang des Jahres. Das geht aus Zahlen des Bundesfamilienministeriums zum sogenannten Kinderzuschlag für einkommensschwache Familien hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach hatten im Januar des laufenden Jahres 299.168 Kinder die Leistung erhalten, im August waren es bereits 928.285 Kinder. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) führt den drastischen Anstieg auf die Folgen der Corona-Krise sowie Reformen im Gesetz zurück.

Kinder, die Anspruch auf den Zuschlag haben, erhalten zusätzlich zum Kindergeld bis zu 185 Euro im Monat. Hinzu kommen weitere Leistungen wie eine Befreiung von Kita-Gebühren, kostenlose Mittagsverpflegung in Schulen oder Kindertagesstätten sowie Gratistickets für den Nahverkehr und Zuschüsse für Schulmaterialien. Ob Eltern den Kinderzuschlag beantragen dürfen und wie viel Zuschlag bezahlt wird, hängt von mehreren Voraussetzungen wie dem Einkommen und dem verfügbaren Vermögen ab.

Grundsätzlich müssen die Kinder unter 25 Jahre alt und ledig sein, zu Hause wohnen und Kindergeld erhalten. Die Eltern müssen gemeinsam mindestens 900 Euro brutto verdienen oder 600 Euro als Alleinerziehende. Als kleines Einkommen gilt nach Angaben des Ministeriums ein Einkommen von rund 1600 bis etwa 3300 Euro bei einer Paarfamilie mit zwei Kindern und Wohnkosten von 700 Euro. Die Faustformel lautet: Wer zwar ein Einkommen hat, das für sich selbst, aber nicht für die Familie zum Leben reicht, sollte den Anspruch prüfen. Das ist mittlerweile im Internet leicht möglich unter www.arbeitsagentur.de/kiz-lotse.

„Es ist ein großer Erfolg, dass drei Mal so viele Familien wie noch Anfang des Jahres jetzt den monatlichen Zuschlag auf das Kindergeld bekommen“, sagte Ministerin Giffey. Man helfe denen, die Unterstützung bräuchten, weil ihr Einkommen für die Familie kaum reiche.  „Mit Corona ist die Zahl der Familien, denen der Kinderzuschlag helfen kann, nochmal extra gestiegen“, sagte Giffey. „Denn es gab zahlreiche Haushalte, die plötzlich deutliche Einkommenseinbußen hatten.“ Zum März hatte die Bundesregierung infolge der Pandemie den „Notfall-Kinderzuschlag“ mit weniger Nachweispflichten geschaffen: Familien, die nach dem 1. April einen Antrag auf den Zuschlag stellten, mussten nicht mehr das Einkommen der vergangenen sechs Monate nachweisen, sondern nur das des letzten Monats vor der Antragstellung. So wuchs die Zahl der begünstigten Kinder von 376.109 im März auf 488.081 im April sprunghaft an. Das Ministerium informierte breit über den Zuschlag.

Zuvor hatte die Bundesregierung den Zuschlag in zwei Schritten reformiert, um mehr Kinder zu erreichen. Im Juni 2019 – vor der ersten Reform – hatten die Eltern von lediglich 253.929 Kindern einen Anspruch geltend gemacht. Kritiker bemängeln zu viel Bürokratie, weil der Zuschlag normalerweise alle sechs Monate neu beantragt werden muss.