Berlin: Kanzleramt öffnet seine Türen

Berlin : Kanzleramt öffnet seine Türen

Die Pforten des Bundeskanzleramts sind normalerweise schwer bewacht. Am Wochenende jedoch hatte die Bundesregierung zum Tag der offenen Tür geladen und damit Zehntausenden Bürgern den Eintritt in Angela Merkels politische Wirkungsstätte ermöglicht.

Als gestern Nachmittag um 14.30 Uhr das Stabsmusikkorps der Bundeswehr nach seinem dritten Lied verstummte, als die Menschen am roten Teppich im Kanzleramt plötzlich ganz still wurden und erwartungsvoll zum Aufzug blickten, erschien endlich auch Angela Merkel zu ihrer Einladung. Von den Strapazen der Euro-Krise war der Bundeskanzlerin nichts anzusehen. Im Gegenteil: Die Hausherrin wirkte von der ersten Minute an, als sei sie allerbester Laune. Sie winkte ihren Gästen zu, fragte im Vorübergehen, ob es gut gehe, und die Wartenden hielten ihr als Antwort ihre Handy-Kameras ins Gesicht, streckten ihr Info-Blätter zum Unterschreiben entgegen und schüttelten, sichtlich verlegen und verzückt, die Hände der Kanzlerin.

Angela Merkel ist derzeit auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit. Im August sind ihre Umfragewerte im Vergleich zum Vormonat noch einmal gestiegen. 68 Prozent der Bundesbürger sind laut ARD-"Deutschlandtrend" mit ihrer Arbeit zufrieden. Das ist Merkels bester Wert seit Dezember 2009.

Beschwingt begrüßte die Bundeskanzlerin auch ihre Gäste im Ehrenhof, den sie nach eigenen Angaben selber nur selten als Eingang nutzt. "Er ist den wichtigen Staatsgästen vorbehalten. So wie heute Ihnen", schmeichelte sie dem Publikum und setzte dann ihren Rundgang fort. Die mächtigste Frau Europas posierte vor der Kanzlergalerie, schlenderte zum Hubschrauber der Bundespolizei im Kanzleramtsgarten und dann über die Brücke zum Park. Dort bat Moderator Mitri Sirin (ZDF-"Morgenmagazin") die Bundeskanzlerin auf die Bühne und machte sie mit zwei Olympia-Medaillengewinnern bekannt: der Ruderin Julia Richter (Silber im Frauen-Doppelvierer) und Radprofi Robert Förstemann (Bronze im Team-Sprint).

Merkel ergriff die Gelegenheit, viel zu loben: die Sportler für ihren Ehrgeiz und den Erfolg in London. Die Berliner dafür, dass nicht alle zum Wannsee gefahren, sondern einige auch ihrer Einladung gefolgt waren. Und schließlich sogar das Wetter: "Ich finde, bei Sonnenschein sieht das Kanzleramt gleich viel netter aus." Trotzdem: Ihre Gäste würden wohl auch bei Regen wiederkommen.

(RP)
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