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Persönlich: Kaiser Akihito . . . darf in den Ruhestand

Persönlich : Kaiser Akihito . . . darf in den Ruhestand

Himmlischer Herrscher" lautet die exakte Übersetzung des Wortes "Tenno", das zugleich den Titel des japanischen Kaisers bezeichnet. Das ist ein anderes Kaliber als die gekrönte Häupter des Abendlandes, die bloß von Gottes Gnaden herrschten. Und während Kaiser hierzulande auch schon mal abdanken durften, ist sowas in Japan nicht vorgesehen. Bis gestern jedenfalls. Da hat das Parlament in Tokio ein Sondergesetz verabschiedet, dass es Kaiser Akihito ermöglicht, in den Ruhestand zu gehen.

Der Monarch ist müde. Zwar besucht der inzwischen 83-Jährige noch immer Altenheime sowie Einrichtungen für Behinderte und präsentiert sich auf Reisen als würdevoller Vertreter seines Landes. Doch mit seiner Gesundheit steht es nicht zum Besten. Akihito, der seiner Regierungszeit den Namen "Heisei" (Frieden überall) gegeben hat, wünscht sich daher schon länger etwas mehr Ruhe für sich selbst. Im vergangenen Jahr bat er öffentlich darum, den Chrysanthementhron, den er am 7.

Januar 1989 als 125. Tenno bestiegen hatte, verlassen zu dürfen. Das Volk zeigte Verständnis für das beliebte Oberhaupt der ältesten Erbmonarchie der Welt, viele Konservative reagierten indes verärgert. Schließlich ist Akihito der erste Tenno seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten abdankt. Für Sohn Naruhito (57), der möglicherweise 2019 die Nachfolge antritt, gilt wieder die alte Regelung. Nicht wenige in Japan sehen darin eine verpasste Chance. Denn die Zukunft des Kaiserhauses ist damit nicht gesichert.

Der Monarchenfamilie geht nämlich der Nachwuchs aus. Das Problem: Nur männliche Nachfahren der männlichen Familienlinie dürfen auf den Thron. Doch in der jüngsten Generation ist mit dem zehnjährigen Prinzen Hisahito nur noch ein einziger Junge übrig. Und eine Frau als "himmlische Herrscherin" - das geht vielen im traditionsbewussten Japan dann doch zu weit.

(RP)