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Persönlich: Kai Diekmann . . . berät den Fahrdienst Uber

Persönlich : Kai Diekmann . . . berät den Fahrdienst Uber

Nach mehr als 30 Jahren Vollzeit-Journalismus klingt das, was Kai Diekmann künftig bei Uber zu tun hat, wie ein kleiner Zweitjob, etwas, das man so nebenbei erledigt. Der frühere Chefredakteur der "Welt am Sonntag" und der "Bild" soll den umstrittenen Fahrdienstvermittler aus den USA beraten. "Kulturelle Übersetzungsarbeit" ist der Begriff, der Diekmanns Aufgabenfeld beschreibt, und das klingt beinahe wie ein Ehrenamt.

Dabei ist der Job, wenn man ihn ernst nimmt, ein gewaltiger. Denn Uber hat die Übersetzungsarbeit dringend nötig. Das, was die Amerikaner unter Firmenkultur verstehen, stößt an vielen Stellen auf große Vorbehalte. In Deutschland ist der Plan, mit privaten Fahrern der Taxi-Szene Konkurrenz zu machen, sogar per Gericht gestoppt worden. In den USA hat Uber eine Plagiatsklage von Google am Hals - der Konzern soll Fahrer mit falschen Gehaltsversprechen getäuscht haben, es gab Sexismus-Vorwürfe und so weiter.

Diekmann soll den Weg bereiten für mehr Verständnis. Das hat er jüngst schon bei Twitter geübt, wo er voll des Lobes war über das Unternehmen Uber. Dessen Gründer Travis Kalanick ist im vergangenen Jahr bei einer Digitalkonferenz in Berlin von Diekmann interviewt worden. Spätestens da muss jeder erkannt haben, dass der im analogen Zeitungs-Zeitalter groß gewordene Springer-Mann einer überbordenden digitalen Leidenschaft verfallen ist. Im Januar ist er als "Bild"-Herausgeber ausgeschieden.

Seine "neue berufliche Herausforderung" führt Diekmann, mit der Journalistin Katja Keßler verheiratet und vierfacher Vater, mit der früheren EU-Kommissarin Neelie Kroes und dem früheren amerikanischen Verkehrsminister Ray La Hood zusammen. Deutsche in diesem Beratergremium waren bisher nicht bekannt. Vielleicht kommt ja irgendwann Christian Wulff dazu. Dann würde die Uber-Geschichte noch zu einem echten Wirtschaftsmärchen.

Georg Winters

(RP)