Kaczynski ignorierte Warnung vor Merkel-Kritik

Kaczynski ignorierte Warnung vor Merkel-Kritik

Warschau (jeni) Der polnische Oppositionsführer Lech Kaczynski soll die umstrittenen Aussagen über Angela Merkel und die deutsche Regierung persönlich gegen den Widerstand seiner Berater durchgesetzt haben. Das berichtet die Zeitung "Rzeczpospolita". Obwohl enge Vertraute ihn warnten, dass der politische Gegner die Äußerungen zu seinen Zwecken nutzen könnte, habe Kaczynski darauf bestanden, sie zu veröffentlichen.

Die Äußerungen in dem kurz vor der Wahl erschienenen Buch "Das Polen unserer Träume" hatten in Polen für Wirbel gesorgt. Unter anderem hatte Kaczynski, Chef der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), geschrieben: "Ich glaube nicht, dass die Übergabe der Kanzlerschaft an Angela Merkel ein Ergebnis rein zufälliger Umstände war."

Als Kaczynski in einem Interview gefragt wurde, ob er damit behaupten wolle, Merkel sei von der Stasi an die Macht gebracht worden, winkte er ab und gab sich geheimniskrämerisch. Außerdem unterstellte er der deutschen Regierung, die "imperiale Macht Deutschlands wiederherstellen" zu wollen, und spielte auf eine "strategische Achse mit Moskau" an, bei der "Polen nur ein Hindernis" sein könne. Mit dem Satz "Wir könnten eines Tages in einem kleineren Polen wieder aufwachen" versuchte der PiS-Chef, Ängste zu schüren.

Wie von Kaczynskis Beratern geahnt, wurden die Thesen zum Wahlkampfthema. Zunächst forderte Polens Präsident Bronislaw Komorowski den Oppositionsführer zwei Tage vor der Wahl auf, sich zu entschuldigen. Schließlich unterlag der Kaczynski bei den Parlamentswahlen am 9. Oktober dem Ministerpräsidenten Donald Tusk, der mit der liberal-konservativen Bürgerplattform (PO) als erster polnischer Regierungschef seit der Wende 1989 wiedergewählt wurde. Die PiS kam auf 30 Prozent, die PO von Tusk siegte mit 39 Prozent.

(RP)
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