Persönlich: Jordi Sànchez . . . wird zum Held nach Festnahme

Persönlich: Jordi Sànchez . . . wird zum Held nach Festnahme

Der spanische Justizminister Rafael Catala beteuerte gestern, die Festnahme des katalanischen Unabhängigkeitsaktivisten Jordi Sànchez (53) habe keine politischen Gründe. Das mag rein rechtlich stimmen. Starke politische Auswirkungen hat sie auf jeden Fall. Denn der Vorsitzende der katalanischen Nationalversammlung ANC hat sich lediglich zuschulden kommen lassen, dass er das illegale Referendum am 1. Oktober vorbereitet hat. Die Demonstrationen für seine Freilassung und die empörten Reaktionen vieler Katalanen auf das Vorgehen der Justiz machen den Aktivisten schon jetzt zum Volkshelden.

Damit ist eine neue Eskalationsstufe im spanisch-katalanischen Konflikt erreicht. Madrid tut derzeit alles, um die Nationalisten in der abtrünnigen Region in Rage zu versetzen - ein überharter Polizeieinsatz beim Referendum, ein Ultimatum an die Regionalregierung und die Verhaftungen der beiden Repräsentanten der Bewegung, Sànchez und Jordi Cuixart, seinen Mitstreiter der Partnerorganisation Omnium Cultural.

Freilich ist auch der Unabhängigkeitskämpfer aus Barcelona nicht unschuldig an der Konfrontation. Der studierte Politologe und Hochschullehrer an der Autonomen Universität Barcelona war stets kompromisslos, als es um mehr Autonomie für Katalonien ging. Er wollte die staatliche Unabhängigkeit und untergrub jede Annäherung zwischen Katalonien und der Zentralregierung. In der Vergangenheit kooperierte der Nationalist sogar mit der baskischen Extremistenpartei Herri Batasuna, die wegen Unterstützung des Terrorismus verboten wurde.

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Die Verweigerung weiterer Autonomierechte für die Katalanen und die abschätzige Behandlung der Region durch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy machte seine Organisation erst richtig stark. Jetzt könnte er im Gefängnis zum "Nelson Mandela" der katalanischen Unabhängigkeit werden, wenn ihm auch dazu das Format fehlt.

(RP)