Persönlich: Joachim Stamp . . . will NRW entfesseln

Persönlich : Joachim Stamp . . . will NRW entfesseln

Auf den ersten Blick wirkt die künftige Nummer eins der NRW-FDP erstaunlich defensiv. "Ich gehe davon aus, dass wir nach der Wahl in NRW eine große Koalition haben werden", sagt Joachim Stamp. Noch-Fraktionschef Christian Lindner wird nach Berlin wechseln, der 46-jährige Fraktionsvize soll sein Nachfolger werden.

Ein Politiker, der mitten im Wahlkampf nicht einmal selbst an eine Machtoption für seine Partei glaubt? "Ich will mit der FDP die Opposition anführen", sagt Stamp. Immerhin werde die FDP voraussichtlich drittstärkste Kraft. "Und dann werden wir davon profitieren, dass die CDU als Juniorpartner der SPD kaum etwas durchsetzen kann." Das Kalkül des promovierten Politikwissenschaftlers: Die FDP könnte sich dann als einzige bürgerliche Alternative im Parlament profilieren. Als einzige Partei, die dann noch glaubwürdig die Fahne des Wettbewerbs und der Eigenverantwortung hochhält.

Zunächst will Stamp die künftige NRW-Regierung mit einem Entwurf für ein "Entfesselungsgesetz" vor sich her treiben. "Tariftreuegesetz, Hygieneampel, Landesentwicklungsplan - diese ganzen rot-grünen Wachstumsbremsen müssen weg", sagt er. An diesem Beispiel wird deutlich, wie heikel Stamps Szenario für die CDU werden kann: Die SPD wird dabei kaum mitmachen. Die CDU müsste eigentlich, weil sie stets dasselbe gefordert hat. Aber sie wird es an der Seite der SPD kaum können.

Im Landtag hat Stamp sich einen Ruf als Pragmatiker erarbeitet. Sein jüngster Vorschlag: "In den Ferien sollten wir die leerstehenden Klassenräume für Flüchtlingskurse nutzen." Insbesondere in den Computerräumen seien mithilfe entsprechender Software auch ohne Dozenten Deutschkurse möglich.

Hobbys hat Stamp nicht. Auf die Frage: "Wofür würden Sie nachts aufstehen?" antwortete er einmal ernsthaft "Zum Plakatekleben". Verglichen damit klingt der Job als Oppositionsführer in NRW tatsächlich nach Abenteuer.

(RP)
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