Japanische Regierung gesteht Fehler ein

Japanische Regierung gesteht Fehler ein

Tokio (RP) Sichtlich bewegt hat sich Japans Ministerpräsident Naoto Kan gestern an das Volk gewandt. Er forderte seine Landsleute in einer Fernsehansprache zur Einheit auf. "Wir werden Japan ein weiteres Mal aufbauen, und wir werden diese Tragödie überwinden", sagte Kan mit Tränen in den Augen. Um das zu erreichen, müssten aber alle Japaner zusammenstehen. Er appellierte an die Menschen, angesichts der Zerstörung nicht den Mut zu verlieren. Das Erdbeben, der nachfolgende Tsunami und die Nuklearkatastrophe in Fukushima seien eine "schwere Prüfung für das japanische Volk". Die Bevölkerung habe die Woche seit der Katastrophe mit Ruhe bewältigt. Die derzeitige atomare Krise erlaube aber noch keinen Optimismus. Den Opfern und ihren Angehörigen drückte Kan sein Beileid und Mitgefühl aus.

Die japanische Regierung gestand gestern ein, dass das Erdbeben und der Tsunami die Reaktion der Behörden auf die Zwischenfälle in den Reaktoren verzögert habe. "Rückblickend hätten wir die Situation etwas schneller bewerten und Informationen rascher koordinieren und weitergeben können", sagte Kabinettssekretär Yukio Edano. Atomexperten hatten Japan seit Tagen vorgeworfen, die Situation in Fukushima herunterzuspielen. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, der Japaner Yukiya Amano, forderte Tokio auf, mehr Informationen über die Lage in den Reaktoren von Fukushima bereitzustellen.

Die Krise dürfte über Kans politisches Schicksal entscheiden. "Ich verspreche, mein Leben für diesen Job zu riskieren", ließ er die Japaner am Dienstag wissen, als er von einem Helikopter die Schäden begutachtete. Bringt Kan die Krise unter Kontrolle und Hilfe zu den Tsunami-Opfern, könnte er als Held gefeiert werden. Scheitert er, dürften seine Feinde versuchen, ihn bei der ersten Gelegenheit zu stürzen.

Der 64-Jährige, der Japan seit Juni 2010 regiert, steht ohnehin mit dem Rücken zur Wand. Zuletzt waren seine Umfragewerte unter 20 Prozent gefallen. Gerade am Tag des Erdbebens geriet Kan in Bedrängnis, als bekannt wurde, dass er illegale Spenden von einem Ausländer erhalten hatte. Dabei stand Kan einst ganz oben auf der Liste der Politiker, die sich die Japaner als Ministerpräsidenten wünschten. 1996 hatte er als Gesundheitsminister die Verfehlungen seines eigenen Ministeriums in einem HIV-Skandal öffentlich gemacht, bei dem 2000 Bluter mit dem Virus angesteckt worden waren – ein nie dagewesener Schritt in Japan.

(RP)