Gaza-Stadt: Israel will Angriff auf Wohnhaus untersuchen

Gaza-Stadt: Israel will Angriff auf Wohnhaus untersuchen

Beim Bombardement des Gaza-Streifens haben die Israelis irrtümlich eine elfköpfige Familie getötet. Die Hamas feuert weiter Raketen ab.

In den Trümmern eines Wohnhauses in Gaza-Stadt sind bei einem Luftangriff der israelischen Streitkräfte elf Mitglieder einer Familie ums Leben gekommen, darunter vier Kinder. Das israelische Verteidigungsministerium versprach, dass der Fall sorgfältig geprüft werde.

Fernsehsender berichten, ein Hamas-Kommandeur habe in dem Haus neben der Familie gelebt. Der Sender Russia Today spricht deshalb von einem "tödlichen Irrtum" aufgrund eines technischen Fehlers. Der arabische Sender Al Dschasira berichtete dagegen, dass die Familie im selben Gebäude wie der Hamas-Führer gewohnt habe.

Mit der Ausweitung der israelischen Luftoffensive auf dicht besiedelte Gebiete im Gaza-Streifen droht der Konflikt dramatisch zu eskalieren. Bis gestern wurden 96 Tote gemeldet, darunter 50 Opfer aus der Zivilbevölkerung sowie 720 Verletzte. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel deswegen als "terroristischen Staat". Die türkisch-israelischen Beziehungen sind seit einem tödlichen Angriff israelischer Soldaten auf ein türkisches Hilfsschiff auf dem Weg nach Gaza im Jahr 2010 auf einem Tiefpunkt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich besorgt über die jüngste Entwicklung in Nahost. Außenminister Guido Westerwelle und seine EU-Kollegen drängten Israelis und Palästinenser in einer gemeinsamen Erklärung eindringlich zur Waffenruhe.

Die scheint jedoch noch in weiter Ferne: Die Hamas und Israel hätten ihre jeweils eigenen Bedingungen für einen Waffenstillstand vorgelegt, sagte ein ranghoher ägyptischer Regierungsvertreter. Unter Vermittlung Kairos und mithilfe der Türkei und Katars wurden indirekte Gespräche in Gang gebracht. Beide Konfliktparteien verlangten jedoch Garantien, mit denen ein langfristiges Ende der Auseinandersetzungen erreicht werden solle.

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Die Gewalt ging unterdessen mit unverminderter Härte weiter. Die Extremistengruppe "Islamischer Dschihad" meldete den Tod eines ranghohen Anführers. Rames Harb wurde demnach bei einem israelischen Luftangriff auf ein Gebäude getötet, in dem etliche örtliche und ausländische Medien untergebracht sind, darunter der Hamas-eigene TV-Sender Al Aksa. Ein Mensch sei bei dem Angriff getötet, mehrere weitere verwundet worden, berichteten Rettungskräfte. Schwarzer Rauch stieg aus dem Hochhaus in Gaza auf. Es war der zweite Luftangriff auf das Gebäude innerhalb von zwei Tagen.

Damit will Israel den anhaltenden Raketenbeschuss militanter Palästinenser auf sein Gebiet stoppen. Gestern feuerten Kämpfer der Hamas 75 Raketen in Richtung Süd-Israel. Ein Geschoss traf eine leerstehende Schule. 20 Raketen seien indes vom israelischen Abwehrschild abgefangen worden, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Drei Israelis kamen bislang ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Ursächlich für die aktuelle Eskalation sei der Beschuss aus dem Gaza-Streifen, sagte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Dieser Beschuss durch Raketen ist durch nichts, auch nicht durch die schwierige Lage im Gaza-Streifen zu rechtfertigen", betonte Seibert. Israel habe "die Pflicht und das Recht", seine Bevölkerung "mit angemessenen Maßnahmen" vor dem Beschuss zu schützen.

Die Hamas zeigt sich allerdings weiter unnachgiebig. "Wir akzeptieren Israels Bedingungen nicht, weil es der Aggressor ist", erklärte Hamas-Chef Chaled Maschaal vor Reportern. "Wir wollen einen Waffenstillstand, der unsere Bedingungen erfüllt."

Ein Zusammenschluss von 38 internationalen Hilfsorganisationen – darunter Oxfam, Terre des Hommes und Save the Children – warnt vor einer humanitären Katastrophe. Lokale Partner und Krankenhäuser im Gaza-Streifen hätten gemeldet, dass bereits wichtige Medikamente und Utensilien zur Neige gehen. In dem Gebiet leben den Angaben zufolge 1,6 Millionen Palästinenser, die Hälfte davon seien Kinder.

(RP)
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