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Kabul: IS tötete 2017 allein in Kabul mehr als 270 Menschen

Kabul : IS tötete 2017 allein in Kabul mehr als 270 Menschen

Bei dem vierten blutigen Angriff von Islamisten auf die afghanische Hauptstadt Kabul im Januar sind nach offiziellen Angaben mindestens 15 Menschen getötet worden. Gegen fünf Uhr morgens waren gestern im Schutz der Dunkelheit fünf schwer bewaffnete Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in ein afghanisches Militärcamp im Westen der Stadt eingedrungen. Die Männer sollen Nachtsichtgeräte getragen haben. Sie überraschten das Lager wohl im Schlaf - erst nach rund fünf Stunden endete der Angriff mit dem Tod von elf Soldaten und dem von vier der fünf Angreifer. Zwei hätten sich in die Luft gesprengt, zwei seien erschossen und einer festgenommen worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. 16 Soldaten seien verletzt worden.

Der Angriff galt den Angaben zufolge einem Stützpunkt der 111. Brigade in der Nähe der Marschall-Fahim-Militärakademie. Der Islamische Staat (IS) reklamierte den Überfall über sein Sprachrohr Amak für sich. Die Terrormiliz war in Afghanistan erst Anfang 2015 aufgetaucht - die USA und die afghanische Regierung bekämpfen sie seitdem. Regelmäßig wird sie für so gut wie geschlagen erklärt. Trotzdem ist es dem IS gelungen, Attentate vor allem in der Hauptstadt enorm auszuweiten. Der IS-Experte des Rechercheinstituts International Crisis Group, Borhan Osman, hatte für das Jahr 2017 allein in Kabul 16 IS-Anschläge mit mehr als 270 Toten gezählt.

In den vergangenen Monaten hat die Terrormiliz nicht nur in Kabul Medienhäuser, ein Kulturzentrum, Regierungseinrichtungen, Sicherheitskräfte und schiitische Moscheen angegriffen. Oft waren ihre Attentate besonders grausam - wie die siebenstündige Schießerei in einem Militärkrankenhaus in Kabul. Erst vor fünf Tagen hatten IS-Kämpfer im ostafghanischen Dschalalabad das Büro der Kinderhilfsorganisation Save the Children überfallen und mindestens sechs Menschen getötet.

(dpa)