Rettung der Allparteienregierung: IRA-Entwaffnung vor laufender Kamera

Rettung der Allparteienregierung : IRA-Entwaffnung vor laufender Kamera

Belfast (rpo). Die republikanische Untergrundorganisation IRA soll ihre Entwaffnung öffentlich beweisen. Das fordern die Protestanten. Nur so sei die Rettung der nordirischen Allparteienregierung möglich.

Die Waffen müssten vor laufenden Kameras oder vor unabhängigen protestantischen Zeugen zerstört werden, forderte der bisherige Regierungschef und Vorsitzende der probritischen Ulster Unionist Party (UUP), David Trimble, am Samstag.

Nach anhaltendem Streit und Hinweisen auf Spionage der IRA hat Großbritannien die im Karfreitagsabkommen von 1998 vereinbarte nordirische Selbstverwaltung im Oktober ausgesetzt. Zur Wiederbelebung der gemeinsamen Regierung aus protestantischen und katholischen Parteien seien nun öffentliche Schritte der IRA nötig, sagte Trimble in Belfast. In Zusammenarbeit mit der Entwaffnungskommission unter Vorsitz des Kanadiers John de Chastelain hat die IRA in den vergangenen Jahren bereits mehrere Waffenlager zerstört. Sie gab jedoch nicht bekannt, welche und wie viele Waffen vernichtet wurden.

Der Vorsitzende der IRA nahe stehenden Sinn-Fein-Partei, Mitchel McLaughlin, wies Trimbles Forderung zurück. Die Katholiken schenkten den Angaben der Entwaffnungskommission Glauben, und die Protestanten sollten dies auch tun, sagte er.

Auch Großbritannien und Irland bemühen sich weiter um eine Rettung des nordirischen Friedensprozesses. Der britische Premierminister Tony Blair soll am Montag in Dublin mit dem irischen Ministerpräsident Bertie Ahern zu Gesprächen über den Nordirland-Konflikt zusammenkommen. Berichten zufolge will er einen weiteren Truppenabzug und Polizeireformen in Nordirland anbieten, um die IRA zu weiteren Abrüstungsschritten zu bewegen.

Das Karfreitagsabkommen sieht die Entwaffnung aller paramilitärischen Organisationen vor. Vor einer Woche hatten auch die probritischen Extremisten der Ulster Defence Association (UDA) eine zwölfmonatige Waffenruhe erklärt und angekündigt, ihre 2002 abgebrochenen Verhandlungen mit der Entwaffnungskommission wieder aufzunehmen. Die Organisation knüpfte ihre Waffenabgabe aber an eine vollständige Entwaffnung der IRA.

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