Hochspannung an türkisch-syrischer Grenze

Hochspannung an türkisch-syrischer Grenze

Damaskus/Istanbul (RP) Der Einschlag einer Mörsergranate aus Syrien auf türkischem Gebiet hat gestern die Spannungen an der Grenze beider Länder weiter verschärft. Türkische Truppen schossen erneut zurück.

Zuvor schien der syrische Präsident Baschar al Assad noch sehr um eine Deeskalation bemüht zu sein, nachdem der UN-Sicherheitsrat erstmals geschlossen reagiert und einen tödlichen syrischen Angriff auf ein türkisches Grenzdorf scharf verurteilt hatte.

Am Mittwoch war eine syrische Granate im türkischen Grenzdorf Akcakale eingeschlagen und hatte eine Mutter und ihre vier Kinder getötet. Die Türkei reagierte zur Vergeltung mit zwei Artillerieangriffen. Syrien hatte offiziell sein Bedauern erklärt und seine Truppen von der Grenze zurückgezogen.

In Syrien setzt jetzt ein Großteil der ehemals friedlichen Protestbewegung ganz auf eine gewaltsame Lösung des Konflikts. In mehreren Provinzen demonstrierten Regimegegner nach dem Freitagsgebet unter dem Motto: "Wir wollen Waffen, keine politischen Erklärungen."

Bis zum Abend zählten die Regimegegner auf verschiedenen Kriegsschauplätzen 70 Tote, darunter 16 Soldaten. Die in Homs verschanzten Rebellen meldeten den stärksten Beschuss seit fünf Monaten. Aus Aleppo berichtete das Staatsfernsehen, die Soldaten hätten den Stadtteil Sachur "von Terroristen und Söldnern gesäubert". In einem Amateurvideo war zu sehen, wie ein Hubschrauber in einer Rauchfahne zu Boden ging.

Russland ging im UN-Sicherheitsrat erstmals auf Distanz zu Assad. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die 15 Ratsmitglieder auf eine Erklärung, in der sie den syrischen Angriff auf die Türkei als Verletzung des Völkerrechts kritisierten. Zuvor hatte Moskau mehrfach UN-Resolutionen zu Syrien blockiert.

Eine syrische Rebelleneinheit drohte unterdessen damit, 45 iranische Geiseln zu töten. In einem Video, das arabische Fernsehsender veröffentlichten, sagte ein Rebellenführer, die Verhandlungen mit der syrischen und der iranischen Regierung über eine Freilassung der Geiseln seien gescheitert. Sollte die Forderung der Revolutionäre nach einer Freilassung von Gefangenen und einem Ende der "willkürlichen Angriffe auf wehrlose Zivilisten" bis heute nicht erfüllt sein, werde man damit beginnen, die Geiseln zu töten.

(RP)
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